Fr

26

Mai

2017

Mont Blanc Singlepush

Der Mont Blanc. Mit 4808m der höchste Punkt der Alpen und von Chamonix aus auch die längste Skitour in einem Rutsch. Wenn Mont Blanc, dann wollte ich diesen schon immer von unten angehen by fairmeans. Doch 3700Hm bei 30km Wegstrecke wollen erstmal bewältigt werden...

 

Jetzt oder nie. Die Auffahrtstage versprachen optimale Verhältnisse, nur leider fehlte uns die vorherige Akklimatisation. Egal, wir versuchen es.

 

Um 3:10Uhr starten wir in die warme klare Nacht beim Parkplatz des Tunnelportals, unsere Ski und Schuhe auf dem Rucksack tragend, nur das Nötigste im Gepäck und auf Gewicht getrimmt. Bei der Schneegrenze auf ca.2100m legen wir unser Schuhdepot an, ebenfalls wandert eine Wasserflasche unter den Felsblock. Mal tragend, mal gehend, erreichen wir die alte Seilbahnstation, von wo kurz oberhalb die Traverse zum Gletscher beginnt, Steigeisen sind Pflicht, die Spur ist eisig und ein Fehltritt würde fatal enden.

 

Am Gletscher endlich gemütliches Schlürfen Schritt für Schritt, die umgebenden Eisbrüche formen bizarre Strukturen, die im Morgenlicht ihre bedrohliche Wirkung umso mehr zur Geldzung bringen. Im Tal unten brennt noch Licht, aber im Osten hat sich der Himmel bereits gelb-rot verfärbt. Wir kommen gut vorwärts, lediglich der Übergang in der Jonction zum Skihang unterhalb der Grands Mulets Hütte hält uns kurz auf. Der Pickel muss raus, die Ski auf den Rucksack, auch wenn es nur für 1m ist!

 

Wir wählen die Aufstiegsroute über Petit und Grand Plateau, welche zeit- und kraftsparend wirkt gegenüber der langen Tragepassage direkt über den Nordgrat des Dome du Gouter. Immernoch geht es uns prächtig, wir sind motiviert und geniessen das atemnberaubende Gletscherpanorama, welches sich uns auftut. DieAiguille du Midi wirkt noch immer riessig, der Gipfel des Mont Blanc noch in weiter Ferne.

 

Ab dem Grand Plateau macht sich schliesslich unsere fehlende Akklimatisation bemerkbar. Schlagartig verlieren wir an Leistungsfähigkeit, der Kopf beginnt zu dröhnen und auch eine leichte Übelkeit setzt ein. Die ausgiebige Rast verleiht zwar kurzzeitig nochmals einen Energieschub, das Vallotbiwak erreichen wir aber nur mühsam und hinter unserem Zeitplan. Ab hier heisst es abermals Ski aufschnallen, Steigeisen an und Schritt für Schritt in kleinen Etappen denken. Eine gefühlte Ewigkeit torkeln wir im Everesttempo der Autobahn hinterher. Zum Glück sind fast alle Mont Blanc Anwärter bereits bei der Abfahrt über die Nordflanke oder auf dem Gipfel, so dass wir ohne Ausweichmanöver in unserem Tempo jeden einzelnen der tausend Aufschwünge meistern können. 

 

Noch nie habe ich vorher die Höhe in dieser Form gespürt. Akute Höhenkrankheit. Lebensgefährlich. Im Bewusstsein dessen haben wir schon gezweifelt, ob wir weitergehen sollen, doch so kurz vorm Ziel aufgeben? Und mit Ski ist man dann doch schnell wieder unten...Schwindel, Übelkeit und massive Kopfschmerzen begleiteten uns also auf den letzen 1,5h zum Gipfel und ich bin beeindruckt, wie sehr die Sauerstoffarmut den Kopf und Verstand benebelte. Nur bei voller Konzentration konnten wir Schritt vor Schritt setzen ohne zu Taumeln, immer wieder mussten wir uns hinknien und rasten und am Gipfel selbst dauerte das Umsattel auf Ski gefühlte Stunden. Gipfelgenuss? Weit gefehlt! Nur noch hinab! Und zwar so schnell wie irgend möglich! 

 

Mit total erschöpften Körpern die eisige Nordflanke des Mont Blanc irgendwie zu meistern, das war jetzt der nächste Schritt. Von Eleganz und Abfahrtsgenuss weit entfernt. Weiter immmer weiter, hinab, hinab, hinab. Die erste wirkliche Pause gönnten wir uns auch erst wieder auf Höhe der Grands Mulets Hütte, bis dorthin war es schlichtweg ein skifahrerischer Krampf für mich mit meinen schmalen Stixi-Wettkampfschi. Dass es mittlerweile schon Nachmittag war und die Jonction sicherlich aufgeweicht und heikler sein würde, nahmen wir in Kauf. Das Seil blieb abermals im Rucksack, der Faktor Zeit überwiegte das Sicherheitsempfinden für diesen Moment.

 

Ein Schuhdepot sollte immer gut auffindbar angelegt werden. Doch im Dunkeln schaut die Welt dann doch anders aus und es kostete uns einiges an Zeit, das Sackerl mit den Schuhen wieder aufzufinden. Froh um das deponierte Wasser, das kurze Shirt und die weichen Turnschuhe polterten wir die verbleibenden 800Hm zurück zum Auto, welches wir erst um 18:45h erreichten. Wow, diese Tour hat definitiv alles in den Schatten gestellt, was ich bisher gemacht hatte. Noch nie sind wir dermassen an unser körperliches und psychisches Limit gestossen. Beeindruckend diese Erfahrung!

 

Facts:

Tunnelportal bis Mont Blanc Gipfel: 10:45h

Gesamt: 15:35h

3700Hm, 31km

 

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So

21

Mai

2017

Sustentrilogie

Ist nicht gerade Everest-Besteigungszeit? Am Sustenpass wohl auch und so schlängelt sich die Perlenkette in durchgängiger Kolonne bis zum Sustenhorn in der teilweise 4-spurigen Autobahn. Aber wen wunderts? Traumpulver und Sonne pur. Wir machen mit.

 

Mit noch schweren Beinen vom gestrigen Berglauf an den Mythen müssen wir für heute einsehen, dass das Ziel, die 3 Gipfel Susten-, Gwächtenhorn und mittlerer Tierberg aneinanderzuhängen zwar möglich ist, wir aber von Anfang an auf unterer Stufe unseren Motor betreiben werden müssen. Die Motivation ist trotzdem hoch, solch ein Prachtstag will genutzt werden. 

 

Umso schöner, als wir auf dem Gwächtenhorn mitten auf dem breiten Gipfelplateau Stefi und Simon antreffen. So unverhofft ist das Wiedersehen umso schöner und wir beschliessen gemeinsam noch den mittleren Tierberg dranzuhängen und natürlich ein Après-Bier auf der Sonnenterrasse am Steingletscher.

 

Powderabfahrt vom Sustenhorn. Powderabfahrt vom Gwächtenhorn und last but not least Powderabfahrt vom Tierberg. Was ein geiler Maisonntag!!!!

So

23

Apr

2017

Steile Couloirs im Val Ferret und Val d'Arpette, sowie Mont Dolent

Ein Rinnenparadies nahe der französisch/italienischen Grenze, aber noch auf schweizer Seite, welches an mir bisher spurlos vorrübergezogen ist. Quasi weisse Landkarte. Dramatisch eigentlich, denn die Anreise von Zürich mit gut 3 Stunden ist überschaubar und das Potenzial mehr als ergiebig.

 

Über airbnb kurzfristig eine super gelegene, nette Unterkunft in Issère gebucht und schon durfte es losgehen mit den Powderrinnen und 3 Tagen Sonnenschein.

 

Couloirs rund um Aiguilles de Sasses

Momentan kann man mit dem Auto bis ca. 1780m nach Ferret auf der holprigen Strasse hinauffahren. kleiner Parkplatz. Dann heisst es Skitragen für 20min.

Zuerst sind wir Richtung Col du Fourchon hinauf und dann rechts abgezweigt Richtung P2833. Guter Pulver bis ca.2500m, danach ruppig auf Lawinenresten und Harschdeckel hinab auf le Tenarde, wo wir nochmals angefellt haben und Richtung Aiguilles de Sasses loszogen. Im Hauptcouloir war einiges los am Samstag, wir entschieden uns daher ein Couloir weiter westlich 2 frischen Spuren zu folgen. Gute Wahl, Powder vom feinsten!

 

 

 

 

Couloir Nord (linker Arm) Aiguille d'Arpette

 

Vom Lac Champex kann man momentan die super steile Strasse hinauf in den Talgrund (Relais) des Val d'Arpette fahren, grosser Parkplatz. Zu Fuss geht es für 20min bis zum Schneeanfang. Und da von Anfang an in der Sonne rinnt bereits am frühen Morgen der Schweiss. Ganz im Gegensatz zum hinteren Val Ferret, wo wir erst spät das Sonnenlicht zu Gesicht bekamen.

 

Malerisch schön, aber auch einiges los am Anstiegsweg, wobei sich letztendlich die Skitourengänger dann doch verteilen. Wir zielen hinauf zum linken Arm des Nordcouloirs, wo eine Truppe die Tage zuvor ein gute Skispur hindurch gelegt hat. Auch wir können von dieser mit Harscheisen an den Ski gut 3/4 des ersten Couloirs profitieren, dann wird der Schnee zu harschig und steil um noch Meter zu machen. Wühlerei und Buckelei ist also angesagt. Und so kämpfen wir uns spurend zu einem Sattel, von wo eine Querung in das Hauptcouloir führt. Der Schnee wird nicht besser, harte Brocken, Schollen und ein griesiges Gemisch erleichtern uns die Spurerei nicht gerade. Nach oben hin steilt sich das Teil richtig auf und erreicht 50Grad, und schmal dazu auch noch. Ich für mich weiss bereits jetzt schon, dass ich diese 30Hm die Ski wieder zurücktragen werde...

 

Anstrengend und monoton, das ist Couloirskiing, aber gleichsam reizvoll und befriedigend. Über easy Kraxelei erreichen wir vom Ende des Couloirs, von wo ein Wahnsinnsblick auf den Glacier d'Orny frei wird, den kleinen Gipfel der Aiguille d'Arpette (P3059). Fast windstill, wenn auch frisch, geniessen wir diesen Augenblick ganz alleine dort oben zu sitzen und lauter neue Gipfel um uns herum bestaunen zu dürfen.

 

Dass die Abfahrt mehr spektakulär als genussvoll ist, nun ja, das schmälert trotzdem keinesfalls das Skitourenerlebnis des heutigen Tages. Und weiter unten wartet dann ja noch dieser perfekte Frühjahrssulz mit der Achterbahn zum Schluss durch den lichten Lärchenbestand....

 

 

 

 

Mont Dolent, Südanstieg von La Fouly

Zur Draufgabe noch ordentlich viele Höhenmeter. Nur zögerlich kann ich mich dazu entscheiden, diese Tour am Montag noch anzugehen. Bis Mittag soll es noch wolkenlos sein, danach die Wolkendecke überschwappen. Hmmm, ja, nein, jain, vielleicht? Okay, wir versuchen es. Start ist um 6Uhr in La Fouly.

 

Mit gebuckelten Ski geht es für 15min Richtung Combe des Fonds. Einer gewaltigen Schlucht mit schiefrigen Aussenwänden. Dann lassen sich bereits die Ski montieren und auf der gefrorenen Schneedecke steigen wir mehr oder weniger in einem Rutsch bis zum Petit Col Ferret auf, wo wir für die Querung sicherheitshalber die Harscheisen montieren. Eigentlich ist es überall strahlend blau, nur hier oben hängt eine fette Wolkendecke, es windet stark und wir stecken im Nebel. 

 

Zum Glück gibt es unzählige Abfahrtsspuren und wir nehmen die Verfolgung auf. Auf Höhe des Biv. Fiorio verliere ich langsam meinem Optimismus, noch immer stecken wir im Nebel, es ist kalt und grausig. Hätten wir doch besser wieder ins Val d'Arpette gehen sollen...Aber aufgeben? Nein, noch nicht, irgendwann spitzelt dann doch mal wieder ein Sonnenstrahl durch ein Wolkenloch hindurch und wir fassen neuen Mut weiter zu gehen. Auf 2900m dann endlich der Durchbruch. Juhu, blauer Himmel, überall, yes, und das Wolkenmeer alsdann zu Füssen.

 

Wir steigen immer weiter auf guter Spur, so dass bis zum letzten steilen Aufschwung, den wir über rechts passieren, keine Harscheisen benötigen, auch wenn der Schnee zum Teil doch recht eisig ist. Beim Col dann Skidepot für mich, Harald trägt mal wieder gerne die Ski mit, und umsatteln auf Steigeisen und Pickel. In griffiger Spur geht es spielend leicht hinauf bis zur Himmelsleiter, welche in wenigen Metern hinüberführt zur Madonna und dem höchsten Punkt des Mont Dolent.

 

Wow, ich staune, mir bleibt der Mund offen. Es ist frisch und ein Lüfterl weht, doch das stört mich in diesem Moment kaum. Wie versteinert und erstarrt stehe ich dort oben mit Harry, wir haben den Gipfel für uns alleine. Die Aussicht ist schier überwältigend. Freiheit? Ja , dieses Gefühl empfinde ich genau in diesem Augenblick. Ein weiterer flotter "vonunten"-Geher stösst zu uns herauf. Erst als eine geführte Gruppe im Anmarsch ist, machen wir uns an den Abstieg und die endlosen Firnhänge hinab nach La Fouly, bis die Oberschenkel brennen...

 

Tal-Gipfel: 4h20min, 2260Hm

Gesamt: 20km, 6h30min

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Sa

01

Apr

2017

Skitouren im Valle Maira

Einmal Valle Maira. Immer Valle Maira.

 

Wir sind nicht die Ersten, die es zum wiederholten Male in das abgeschiedene, piemonteser Grenztal zu Frankreich verschlägt. Beim Austausch mit den anderen wenigen Skitourengästen des Tales kristallisiert sich glasklar schnell heraus, was den Reiz des hinteren Valle Maira ausmacht und warum die weite Anreise nicht nur einmal in Kauf genommen wird: die Unberührtheit.

 

Keine Hotelburgen, keine Liftanlagen, keine Verbauungen, keine Stromleitungen, die das Landschaftsbild beeinträchtigen könnten. Hier sagen sich Fuchs und Hase noch Gute Nacht. Dem urigen Stile des Tales nach sind viele Häuser weitesgehend restauriert und renoviert worden, Steinbauten mit viel Charme und Liebe zum Detail sind entstanden, die 500 Betten auf 40km verteilt beherbergen.

 

Manuela und ihre Mutter bekochen uns täglich mit selbstgemachten Speisen auf Haubenküchenniveau. Für die Energieversorgung ist also bestens gesorgt und die gute Küche in der Locanda "le Mistral" in Ponte Maira ist sicherlich auch mit ein Grund, warum wir bereits zum zweiten Mal für eine Woche dort sind. Renato, Bergführer und Servierkraft in einem, hält täglich die perfekte Tourenidee für uns bereit. Im Mistral fühlst du dich nicht nur willkommen, hier wird Gastfreundschaft gelebt.

 

Unberührtheit. Ein Landschaftsbild, das es in dieser Form kaum noch in den klassischen Tourengebieten anzutreffen gibt. Skitouren in seiner Reinform. Jeden Tag einen neuen Gipfel anspuren, weit und breit keine Skispuren zu sehen. Stille und viel Natur gibt es zu bestaunen, auf sich wirken zu lassen. Die innere Ruhe und Ausgeglichenheit stellt sich schnell ein. Es kommt kein Stress auf, Stress, weil die unverspurten Hänge bereits im Morgengrauen von einer Horde wilder Powdergeier zerpflügt werden wie an den Modebergen der Alpen. Du hast freie Wahl, kannst die sicherste Linie wählen, denn die weissen Hänge sind auch noch nach Tagen des letzten Schneefalles unverspurt.

 

Irgendwie surreal. Auf der einen Seite der Alpen trampeln sich die Skitourengeher respektlos über die Füsse, auf der anderen Seite freut man sich über jedes Gesicht, weil man die Freude über diese sagenhafte Unberührtheit gerne teilen möchte. Man tauscht "Geheimtipps" aus, steht mit Rat und Tat zur Seite, wenn am Nachmittag bei Tagliatelle und Vino auf der Sonnenterrasse über Verhältnisse und Erlebtes munter geplaudert wird. Urlaubsstimmung. Après-Ski der anderen Art.

 

 

Skitouren:

 

  • Bric Boscasso

Im wilden Schneegestöber ziehen wir unsere Spuren durch den tief verschneiten lichten Lärchenwald. Märchenhaft. Und das im April! Bis zum Gipfel schaffen wir es heute nicht, nach der Waldgrenze ist whiteout angesagt. Dafür lockt das Rifugio Vivere mit Kaminfeuer und Cappuccino

 

  • Bric Cassin (SE-Gipfel)

Stufe 4 ist nach dem gestrigen Schneefall angesagt, Gut 40-60cm hat es geschneit, der Bric Cassin bietet für diese Verhältnisse den optimalen Anlass, Powder und eine sichere Linie zu wählen. Wir sind nicht alleine unterwegs, unsere komplette Unterkunft versammelt sich heute zum "Familienausflug" am Bric Cassin. Die letzten Meter sind wir mit Spuren dran, die Abfahrt als erster im frischen Schnee unvergesslich.

 

  • Giro von Saretto. Cima delle Manse und Monte Soubeyran

Ein Tag, perfekter kann es nicht werden. Nur wir 4 für den Rest des Tages, dabei abwechslungsreiche, beeindruckende Landschaften, Schneequalitäten jeglicher Güte und vieeel Sonnenschein. Eine ausgedehnte Runde mit einigen Höhenmetern und Wegstrecke.

 

  • Whiteout

Es ist neblig und nieselt leicht daraus. Für den Nachmittag sind weitere Schneefälle und Regen im Tal gemeldet. Wir folgen für 600Hm Renatos Spur Richtung Col d'Enchiausa, ohne Sicht und mit 100% Luftfeutigkeit macht es schlichtweg keinen Sinn noch weiter zu gehen. Im Rifugio Vivere treffen wir auf eine grosse Gruppe Salzburger Skitourengeher. Bei Cappuccino und Kuchen wird viel gelacht und gewitzelt.

 

  • Monte Bellino und Monte Albrage

Gut 15cm Neuschnee. Strahlend sonniger Tag. Mit Schneeketten führt uns Hans-Peter die eingeschneite Strasse zum Ausgangspunkt auf 1900m hinauf. Wir spuren hinein ins weitläufige Tal und die sanften Hänge hinauf zum Bellino. Grossartig. Weil die Abfahrt uns so überzeugte und nebenan auf den Albrage schon eine Spur führt, fellen wir ein zweites Mal an. Das Päarchen vor uns hat nicht bis zum höchsten Punkt gespurt, umso ein schöneres Gefühl für uns auch diesen Gipfel heute noch unverspurt vorzufinden. Die Westhänge warten mit Traumpulver. Unvergesslich.

 

  • Monte Oronaye Süd- und Nordcouloir

Moni und Hanspeter sind abgereist, Harry und und ich wollen uns am Oronaye versuchen, einem markanten dolomitenähnlichen Berg mit vielen Steilrinnen. Die Nordrinne (400m, bis zu 50Grad steil) soll es heute werden. Wir steigen über die linke Südflanke auf, die später in ein steiles Couloir mündet. Bester Trittfirn, ideale Aufstiegsverhältnisse mit den Ski am Buckel und Steigeisen an den Füssen. Den Gipfel erreichen wir leider nicht, der Aufstieg ist uns nicht ganz klar, mehrere Stellen scheinen uns zu schwierig als dass sie für den Aufstieg dienlich sein könnten. Daher starten wir ohne Gipfel in das Nordcouloir, welches noch unverspurt und mit bestem Powder gefüllt war. Steil, geil und eindrücklich. so etwas steiles bin ich noch nie gefahren...

 

  • Punta le Teste, Nordcouloir

Ein weiterer steiler Leckerbissen. DIE Linie im Tal. Vom Auto weg praktisch 1000Höhenmeter in einem Rutsch nach oben. Zunächst in einem breiten Kar, später immer enger werdend verzweigt sich das Couloir, die linke Linie führt bis zum Gipfel hinauf. Unglaublioch, aber wahr, auch hier finden wir in der oberen Hälfte noch besten, unverspurten Pulverschnee. Geil.

 

  • Monte Sautron über Forcellina

Zum Abschluss der Tourenwoche noch einen 3000er. Ein Skitourenberg, der uns nochmals fordert. Wieder gibt es keine Spuren, keine Leute unterwegs und das an einem sonnigen Sonntag! Die Skitourensaison neigt sich dem Ende zu im Valle Maira, von Tag zu Tag lässt sich nun sehen, wie die Tragestrecken länger werden und die Hänge früher aufsulzen. Ein würdiger Gipfel entlässt uns mit einem Lächeln auf den Lippen. Valle Maira wir kommen wieder.

 

 

 

Unterkunft: 

Locanda Mistral: http://www.damistral.it/de/

 

Blogbericht vom letzten Jahr: https://www.gesundes-wandern.com/2016/03/26/skitouren-im-piemont-valle-maira/

 

 

Bric Boscasso und Bric Cassin

 

Cima delle Manse und Monte Soubeyran

 

Monte Albrage und Monte Bellino

 

Monte Oronaye Süd- und Nordcouloir

 

Punta le Teste Nordcouloir

 

Monte Sautron über Forcellina

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Do

16

Mär

2017

Hausstock

Ein Hatscher par excellence. Vielleicht einer, den man nur einmal macht. Und doch, der Hausstock ist eine grandiose Tour. Spätestens, wenn die Gipfelflanke ab dem Panixerpass ins stetige Blickfeld rückt, zieht die Tour einen in den Bann. Steil sieht sie aus, so ganz und gar nicht mit Ski einfach zum Aufisteigen. Doch die Draufsicht täuscht, wie so oft, je näher man ihr rückt, desto detaillierter beginnt man sie nach dem richtigen Anstiegsweg zu scannen und erblickt letztendlich eine strukturierte Flanke, die mit Absätzen und 2 Felsbändern aufwartet.

 

Bis zum Gipfelkreuz ging es heute mit den Ski, keinen einzigen Meter getragen. Cool. Speziell ist auch die Aussicht von dort oben, irgendwie noch exponiert fühlt sich die riessige Gipfelflanke an. Zwei zögerliche Schwünge zu Anfang, dann aber fällt die Anspannung und wir düsen über feinen Sulz im oberen Teil hinunter, der untere ebenmässige Teil lässt den ein oder anderen Juchzer mir entweichen. Firn ist geil. Punkt.

 

Die Flachpassage zum Panixerpass hält noch einige schöne Firnschwünge parat, pistenartig lässt sich der Schnee heute fahren. Und auch danach folgen noch freudvolle Kurven, lediglich die riessigen Ausläufer der mächtigen alten Lawinen mit ihren zahllosen Eisknödeln schmälert etwas das Abfahrtserlebnis. Obwohl, irgendwie ists noch lustig zwischen all den Hindernissen hindurchzucruisen, fast wie Buckelpistenfahren;-)

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Sa

11

Mär

2017

Piz Ravetsch

Vom Oberalppass zum Piz Ravetsch, das zieht sich, das ist weit, das ist ein klassischer Hatscher. ABER ein landschaftlich schöner und vorallem geeignet für die momentan recht angespannten Lawinenverhältnisse. Mächtige, grossflächige Lawinenanrisse finden sich rechts und links des Weges, aber in Respektabstand. Imposant, wie hier das schwache Altschneefundament eine Spielwiese für Lawinenschnee bildet. Selten habe ich so grossräumig spontane alte Lawinen gesehen...

 

Sonnig ist der Hatscher zum Piz Ravetsch, die Steighilfe brauch es tatsächlich erst beim grossen Schlusshang bis zur Scharte, von wo der Fussaufstieg über Blockwerk, Anraum und tiefe Spuren beginnt. Steigeisen waren für heute nicht nötig, der noch pulvrige oder nasse Schnee je nach Exposition liess den Spurer tief einbrechen. Wir sind für heute froh eine gute Spur anzutreffen.

 

Der Schnee auf dem Glatscher da Maighels ist zwar windgepresst, aber trotzdem gut drehbar, so dass sich die ein oder anderen Zöpfelen ausgehen, besonders der letzte flache Hang hinunter ins Maighelstal lässt uns ein Jauchzen entfahren, unverspurt und pulvrig. Allein dafür hat sich der weite Weg schon gelohnt!

 

Wir fellen noch einmal an, ich spure hinauf auf den Pass Maighels, von wo sich uns ein schöner Blick über den gesamten Vermigell-Kessel eröffnet. Leider ziehen so langsam dicke Schleierwolken auf, die das Licht diffus wirken lassen, die Kontraste verschlechtern sich merklich und wir sind froh, als uns Türler von der Vermigellhütte entgegen kommen, so dass wir ihren Aufstiegsspuren entlang abfahren können. Dass sich die Abfahrt durch das Unteralp Tal nach Andermatt zieht, versteht sich von selbst. Immer wieder muss gestöckelt werden. Gleichgültig nimmt man das an einem Tag wie diesem irgendwann hin, die Runde ist halt ein Hatscher....aber was für einer!

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So

26

Feb

2017

Bächenstock im Meiental

Mit 20cm Neuschnee im Gepäck legte sich passend zum Wochenende am Freitag eine Front an die Nordalpen und entlud ihr schönstes Weiss auf den durch die "Hitze" der Vortage bereits gut verfestigten Altschneedecke. "Erheblich" sollte es zwar haben, ich zweifelte allerdings an der prognostizierten Lawinengefahr und somit fuhren wir ins Meiental, welches Harry bisher noch nicht wirklich kannte. Eines meiner Lieblingsgebiete zum Skitourengehen mit anspruchsvollen Tagestouren, steilen Hängen, Blockgraten zum Kraxln und einer beeindruckenden Landschaft. Zudem wartet unten im kleinen Dörfchen Meien das "Bäsebeizli", einer Verpflegungsstation für die Skitürler, wo man bei selbstgebackenem Kuchen, salzigen Nüssen, Chips und einem kühlen Bier zusammensitzt und sich über Verhältnisse und begangene Touren austauscht, Sogar ein Tourenbuch liegt auf.

 

Bereits an die 15 Autos parken am linken Rand der Strasse, als wir um 9Uhr eintreffen. Wir folgen der ausgetrampelten Spur auf der geschlossenen Passstrasse, bevor nach wenigen Minuten der erste Abzweiger nach rechts in den Wald kommt. Markierungen an den Bäumen weisen für die Spurer des Tages den einfachsten Weg durch das Gestrüpp. Noch ist die Neuschneeauflage gering, immer wieder rutscht der Ski auf der harten Altschneeoberfläche ab. Später dann lichtet sich der Wald und leitet in eine sonnenbeschienene Traumlandschaft der Seewenalp. Steile Gneiswände kesseln die Seewenalp ein, aus den beladenen Ostflanken rieselt es ununterbrochen. 

 

Nun bemerken wir den Spurtrupp vor uns, eine 15köpfige Tessiner Gruppe, die gerade die steilen Hänge hinauf zur Seewenstöss mit weiten Spitzkehren verziert. Es ist warm, die Sonne brennt und mahnt zum Weitermachen, denn noch hängt einiges in den Ostrinnen und Wänden und wartet auf Abflug. Auf Seewenstöss erlauben wir uns eine ausgedehnte Pause, zum einen um das schöne Panorama zu bestaunen, zum anderen um die riessige Gruppe nicht zu stark zu tangieren. Es müssen ja nicht unnötig viele Leute im gleichen Hang stehen...

 

An geeigneter Stelle zweige ich schliesslich in die linke Rinne ab um auf den Seewenzwächtenfirn zu gelangen, dies erfordert zwar eine neue, schweisstreibende Spur anzulegen, allerdings eröffnet sich uns so auch die Möglichkeit, den Trupp zu überholen. Knapp vor ihnen schliesslich erreichen wir den grossen weissen Firn. Keine Spur, nur eine glatte, glänzende Oberfläche. Wow, was für ein Gefühl in diesen oberen Kessel hineinzuspuren. Mein Puls ist am Anschlag, doch für diesen Moment nehme ich das nicht wirklich war. Zu viel Freude bereitet mir die Spurarbeit. Schliesslich wird der Schnee schwerer, Harry übernimmt das Zepter und wir kämpfen uns zu Zweit durch den zu Beton mutierten Schnee. Shit, wir sind zu spät dran.

 

Die fortgeschrittene Zeit und damit einhergehende Wärmebildung macht es nicht leichter, einen guten Weg hinauf auf den Grat zu finden. Anstatt den "normalen" Anstieg über das versteckte Couloir zu wählen, entscheiden wir uns für einen Anstieg weiter links. Eine sehr steile Flanke von vielleicht 50m, wo der Schnee bereits abgeglitten ist, verspricht eine gute Möglichkeit den Grat doch noch zu erreichen. Wir laden die Ski auf den Rucksack und mühen uns Schritt für Schritt im guten Trittschnee hinauf, eine kurze Felsbarriere hat zum Glück gerade noch genügend Schneeauflage. Am Grat selbst dann Pulver. Das Gipfelkreuz können wir bereits ausmachen, doch schon jetzt wissen wir, dass wir es bis zum höchsten Punkt heute nicht mehr schaffen werden. Die Blockkletterei würde zu viel Zeit beanspruchen, die wir für den Rückweg über die steile Südflanke nicht haben werden und auch die Schneequalität weiter unten würde nur noch schlechter werden. 

 

Rein der Lust wegen klettern wir noch einige Meter am verschneiten Grat entlang, immer wieder muss ich Griffe freilegen und nach sicheren Tritten suchen. An einem Punkt, dem ersten Aufschwung dann ist die Zeit zum Umdrehen gekommen. Die Traverse zum Zwächten ist am heutigen Tage auch alles andere als optimal und somit entscheiden wir uns entlang des Aufstiegsweges zurückzugehen.

 

Mittlerweile ist die Tessiner Gruppe bereits in der Abfahrt befindlich, sie zeichnen schöne Spuren in den bereits schweren Schnee am Seewenzwächtenfirn. Auch wir setzen zur Abfahrt an, pulvrige Meter wechseln mit bremsenden Betonmetern, aber in Summe doch noch erstaunlich gut. Dies vor allem deshalb, weil wir für die Abfahrt wie auch die 15er Gruppe die nach Südwesten orientierten Hänge unterhalb des Miesplanggen- und Spitzplanggenstocks verwenden. Am Seebach entlang wird es schliesslich recht mau mit Schnee. Eine Tagesfliege. Heute noch befahrbar, morgen wahrscheinlich bereits aper. Die letzten Meter tragen wir unsere Ski durch sumpfiges Gras hinunter zur Strasse und hatschen den Kilometer zurück zu unserem Auto. Eine abwechslungsreiche und erlebnisreiche Rundtour neigt sich ihrem Ende zu...natürlich in der Bäsebeiz

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Do

23

Feb

2017

Alpler Horn Südflanke in perfektem Firn

Ein Langzeitprojekt ist abgehakt.

 

Immer wieder fiel mir beim schattigen Anstieg zum Glatten die ebenmässige Südflanke des Alpler Horns auf. Doch es dauerte bis jetzt, bis die Verhältnisse und die Motivation stimmten, dieses Projekt anzugehen. Denn es sind so einige Hürden vorab zu meistern, z.B. muss der Felsenweg in gutem Zustand sein, d.h. möglichst viel Schnee in den umgebenden steilen Osthängen bereits abgeglitten sein, um diese einigermassen gefahrlos auch noch zu Mittag im aufgeweichten Schnee passieren zu können. Dann braucht es noch genügend gesetzten Schnee in der steilen, felsdurchsetzten Südflanke des Alpler Horns. Diese apert durch die sonnige Exposition schnell aus. Gute Firnbedingungen sind nötig. Und und und...

 

Schliesslich schienen am Donnerstag Morgen alle Bedingungen gut zusammen zu passen. Ich fuhr ohne Erwartungen ins Sahli, hatte ich doch mehrere Optionen für diesen spontanen Skitourentag. Der Regen vom Dienstag hatte alle Arbeit geleistet, eine homogene, tragfähige und safe Schneedecke konnte sich bis hoch oben ausbilden. Mit den warmen Temperaturen und der Sonneneinstrahlung erinnerte mich die Situation an einen späten Frühlingsmorgen. Immerhin war es bereits 9:30Uhr als ich loslief.

 

Die Ruosalp glänzte im Gegenlicht, noch firnte da nichts auf und ich konnte auf der harten Schneedecke schnell und leicht Meter machen. Läged Windgällen? hmmm, war ich ja schon, Seespitz? hmmm, war ich auch schon mehrere Male. Alpler Horn. Zögern. Ja, warum eigentlich nicht, ein Versuch ist es wert, auch wenn ich spät dran bin.

 

Die Querung in die bereits weichen Osthänge zum Felsenweg liessen in mir erstmals Zweifel aufkommen für dieses Projekt. Ich hatte schlagartig das Gefühl, zu spät dran zu sein. Die Hänge der Südflanke sind mit schätzungsweise 35-40Grad einfach zu steil um sie im aufgeweichten, durchnässten Schnee sicher zu bewältigen. Doch nach der Querung empfing mich wieder der etwas härtere, glatte Altschnee. Ok, anscheinend hatten nur die Osthänge schon zu viel Sonne abbekommen. 

 

Um in die Südflanke zu gelangen, muss das untere Felsband, welches die Flanke grossflächig am unteren Ende begrenzt, an geeigneter Stelle durchstiegen werden. Ich fand bereits von weitem einen geeigneten Durchschlupf, lediglich leichte Kraxelei in nicht zuverlässigem Schrofenfels von 10m führte mich mit gebuckelten Ski hinauf und der Weiterweg mit den Ski an den Füssen war ab hier problemlos möglich. Die südexponierten Hänge waren bereits schön aufgefirnt und liessen ein kraftsparendes Höhersteigen zu, die etwas mehr südostexponierten Hänge waren durchaus schon grenzwertig weich, mit Ski noch ok, aber zu Fuss definitiv schon zu weich. Ich hangelte mich also an den S-Hängen hinauf bis das Gelände unter Felszacken aufsteilte. Welches ist nun der Gipfel? Der rechte schöne Felsturm oder links oben die Schneekuppe?

 

Ein Blick in die Karte verriet, dass ich mich nach links halten musste, wenn ich den wahren Gipfel des Alpler Horns erreichen wollte. 2mal wechselte ich kurz zwischen Tragen und mit Ski gehen, immer knapp unterhalb der Felsen. Denn alte Triebschneekeile waren noch sichtbar, wenn auch diese bereits umgewandelt und wohl spannungsarm waren, aber alleine und mit der Option auf einen Fall durch die komplette Wand und unten über die Felsen wollte ich schlichtweg nichts riskieren. So beliess ich es dann auch auf dem Sattel. Der Weiterweg am überwechteten Kamm entlang hätte ein Stapfen erfordert, im aber bereits einen Tick zu aufgeweichten Schnee war das für mich keine Option. Lieber nutzte ich die Gunst der Stunde für den perfekten Firn im Südhang. Die restlichen 50Hm bis zum Gipfel würde ich vielleicht ein anderes Mal wieder angehen, wenn es noch bessere Bedingungen hat.

 

Im Traumfirn schwing ich die steilen Hänge entlang meiner Aufstiegsspur hinab. Es rieselte rechts und links von mir, wow, wie eine steile schwarze Piste! Hoch konzentriert, denn ein Ausrutschen könnte fatal enden. Fast etwas erleichtert fiel die Anspannung, als ich die letzte Felsstufe wieder abgeklettert war und Richtung dem flachen Boden von Ober Stafel entgegen surfte. Ein Blick zurück, wow! Wieder ein Projekt realisiert.

 

 

Die Flanke des Alpler Horns ist mit der des Wasserbergfirsts zu vergleichen, der ein Tal weiter nördlich wartet. Beide haben ungefähr diegleiche Steilheit, wobei der Felseinstieg beim Alpler Horn cruxig sein kann. Beim Wasserbergfirst kann der letzte Anstieg auf den schmalen Grat und diesen entlang dafür recht schwierig sein. Ich würde beide Anstiege etwa gleich bewerten. Komisch daher, dass der Wasserbergfirst in den Skitourenführern und Karten verzeichnet ist, der Anstieg auf das Alpler Horn aber nicht?

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So

19

Feb

2017

Rundtour Isenthal über Schlossstocklücke

Isenthal oder besser gesagt St. Jakob, da wo das Bähnli nach Gitschenen hinauffährt, beginnen wir unsere Rundtour. Eigentlich stand der Ruchen auf dem Programm, ehrlich von unten, nicht von der Bannalp mit Liftunterstützung. Doch nachdem wir die sonnige Oberalp und den Oberberg passiert haben, welche mittlerweile pistenartig eingefahren sind, lockt der schattige und windige Anstieg auf den Ruchen eher weniger. 

 

Wir weichen daher spontan auf Plan B aus und steuern abseits der Massen zum Rot Grätli, von wo ein wunderbarer und mir im Winter neuer Blick frei wird. Weisse Hänge so weit das Auge reicht. Mit etwas Höhenverlust geht es südseitig hinüber zur Einschartung zwischen Engelberger Rotstock und Wissigstock. Der Nordwestwind hat an Stärke zugelegt und bläst uns an dieser Stelle kräftig um die Ohren. Leider türmt er auch ein grosses Triebschneepaket direkt hinter der Scharte auf, die alte Spur ist bereits 2m tief verdeckt. Wir entscheiden uns daher dafür, dieses Paket grosszügig zu umgehen.

 

Im Windschatten des Wissigstock spuren wir die alte Spur neu, mächtige Wechten säumen den felsigen Aufbau des Wissigstockes. Je näher wir der Schlossstocklücke kommen, desto markanter erhebt sich wie eine Haifischflosse der Punkt 2759. Tolle und ungewöhnliche Ausblicke auf den Schlossberg können von hier oben erhascht werden. Eine wirklich tolle Landschaft!

 

Ein paar Schwünge im Pulver gehen sich nach der Schlossstocklücke aus, bevor noch einmal angefellt werden muss um zur Moräne bei P2340 zu gelangen, von wo die finale Abfahrt hinab über die beeindruckend schattigen Hänge von Firnbäch nach Isenthal angetreten wird.

 

Lang, aber landschaftlich äusserst reizvoll und wer Gipfel sammelt, kann als Add-on noch Ruchen, Engelberg Rotstock, Wissigstock, Brunnistock, etc...anhängen. Wir beliessen es für heute bei der Rundtour ohne Gipfel, immerhin kommen auch so 2000Hm und 23km Wegstrecke zusammen;-)

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Sa

18

Feb

2017

Powder am Glatten

Es gibt Touren, die sind Klassiker. Die sind Standard. Die sind aber auch immer wieder gut und daher eben so der Renner. So z.B. der Glatten im hinteren Bisisthal. Nach Neuschnee ein Traum, nach langem Fernbleiben von Neuschnee eher Alptraum anstatt Pulvertraum. Ziwschen pistenartig verfahren und stiebenden unverspurten Hängen liegen beim Glatten manchmal nur Stunden. Aber seelig die, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein können.

 

Samstag war so ein Tag. 30cm Neuschnee am Freitag. Der Himmel klart in der Nacht auf und samstags erstrahlt bereits ab der ersten Sonnenstunde der ganze Kessel in einem sagenhaften Weiss. Wir starten um 9Uhr im Sahli, eine breite Spur führt uns durch das erste Waldstück zum Aufwärmen, danach tauchen wir ein in eine Wintertraumlandschaft. Eingeschneite Blöcke, steil hinaufragende Felswände, diese typischen Strukturen, die diesem Gebiet seinen Charme verleihen. Dazu um diese Jahreszeit schon viel Sonne trotz Nordexposition. 

 

Mit jedem Schritt Höhengewinn eröffnet sich für uns auch der Blick auf die weiten Karstlandschaften der Glattalp, des Silberen. Charakteristische Landschaften für das Muotathal. Der Schächentaler Windgällen dominiert das hintere Ende der Ruosalp im Westen, ein Prachtsberg, irgendwie dolomitenartig anmutend.

 

Trotz Standardtour und grossem Andrang am Parkplatz im Sahli verteilen sich die Massen, einige sind aufs Balmer Grätli, einige aufs Rau Stöckli und einige fügen noch den Hatsch über das sonnige Karstplateau auf den Gipfel des Glatten an. Es weht ein eiskaltes Lüftchen, die Gipfelrast fällt für heute nicht ewig aus, aber das Jausenbrot geht sich schon noch aus.

 

Für beide Dominiks ist es heute die erste Skitour der Saison. Welch fulminanter Auftakt! Denn die Abfahrt über die tollen, breiten Nordhänge bis nach Gwalpeten sind der Hammer, erst wenige Spuren und 30cm nur leicht vom Wind geprägter Neuschnee. Dort unten zwischen den vielen Blöcken in der Sonne bleiben wir nochmals stehen und lassen das traumhafte Panorama auf uns wirken. Grandios. Einfach nur grandios. Manchmal brauch man eben nicht in die Ferne zu schweifen, manchmal liegt das Glück so nahe, auch auf einer Standardtour.

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gesundes-wandern.com

Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

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