Mi

16

Aug

2017

Schmalstöckli: Papillon und Läged Windgällen: Basler Route

 

Läged Windgällen Westgipfel: Basler Route

 

Vom Mettener Butzli (Taxe 10CHF beim Gasthof/Hotel Posthaus Urigen zu entrichten, ab Alp Mettenen Kiesstrasse) auf Wegspuren ein kurzes Stück Richtung Alpler Tor, dann bei Steinmann auf einem Trampelpfad ohne wesentlichen Höhengewinn durch die Lawinenverbauungen hindurch. Da die Schächentaler Windgällen so zerklüftet ist, fällt die Orientierung und das Spotten des Einstiegs diverser Kletterrouten nicht leicht. Zumal kein gescheites Wandbild und Übersichtstopo existiert. 

 

Wir koffern also zuerst mal bis zum hintersten Winkel auf einem mehr oder weniger gut ausgeprägten Pfad, dafür erhalten wir eine super Übersicht über das gesamte Gebiet. Einige Routen sind angeschrieben, was die Orientierung dann schliesslich doch etwas vereinfachte. So dass wir schnell auf unseren Fehler mit Ost und West Verwechslung kamen und die Basler Route dann schlussendlich im linken Wandteil suchten. Wer suchet, der findet. In fett Rot stehts geschrieben: Basler Route.

 

Bereits die erste Länge lässt nicht so richtig Flowgefühle aufkommen. Der Fels schaut brüchig aus, nicht jeder Griff und Tritt vertrauenserweckend. Zwar geht es flüssig, aber eben etwas angespannt. Und unser gewonnener Eindruck aus der ersten Länge wird sich über die gesamte Route hinwegziehen. Nie wirklich schwierig oder ernsthaft, aber immer mit diesem Angespanntheitsgefühl klettern sich die 8 SL. Von Plaisir kann wohl keine Rede sein. Was vielleicht auch ein Grund ist, warum das Gebiet aus dem neuen Plaisir Ost Führer gänzlich rausgefallen ist. Denn Routen hätte es ja viele...auch einige Sanierte und mit Plaisir-Hakenabständen...

 

Wer allerdings das Gesamtpaket Klettern im Schächental sieht, der wird durchaus wieder zurückkehren an diese zerklüfteten Felsbastionen. Die Aussicht ist einfach grandios, die sonnige Lage macht das Klettern schon früh in der Saison möglich, die sich bis weit in den Herbst hinein zieht. Dazu der durchaus bequeme Zustieg, auch wenn sich die Anfahrt ab Altdorf zieht. Die gute Abseilpiste neben und über die Basler Route ermöglicht ein flottes Zurückkommen an den Wandfuss und ist einigermassen sicher bzgl. Steinschlag. Und dann wartet unten in Altforf ja noch diese geniale Gelateria mit dem besten Eis weit und breit, wo sich der Klettertag in lebendiger Gesellschaft ausklingen lässt.

 

 

Schmalstöckli: Papillon

 

So angespannt, wie wir gestern geklettert sind, so entspannt gehts am Schmalstöckli im Lidernengebiet zu. Fester, wasserzerfressener, hellgrauer Kalk erwartet das Klettervolk in der Südwand. Teilweise erinnert der Fels stark ans Rätikon. Plattige Passagen wechseln mit griffigen Schuppen und Henkeln. Genuss pur.

 

Der kurze Zustieg von der Seilbahn, gepaart mit der Möglichkeit in der Lidernenhütte noch einen Kaffeestopp einzulegen, sprechen auch für das Klettern dort oben bei eher unsicherem Wetter. Bei uns hatte es noch bis am Morgen geregnet, doch die sonnige Lage trocknete recht rasch den Fels und die Wasserstreifen verschwanden innerhalb weniger Stunden.

 

Die Papillon (nähere Infos von den Erstbegehern hier) startet etwa 15m unterhalb der Bird on wire, der Name ist nicht angeschrieben, der Einstieg trotzdem leicht ausfindig zu machen. 2 BH stecken im etwas splittrig ausschauenden Fels, bevor die Route eine grosse links-rechts-Kurve einlegt. Die sehr gut platzierten Bolts lassen von Anfang an Freude aufkommen, der 6b-Einstieg löst sich besser auf, als es auf den ersten Blick den Anschein hat, danach folgt toller Fels bis zum Top. Im Prinzip eine klassische, homogene Plaisirtour, wäre da nicht in der 3. SL diese glatte, grifflose 2m Wandstelle, die frei um 7b eincheckt. Ein Schönheitsfehler, auf der anderen Seite, es findet sich eben nicht immer eine Möglichkeit, absolute Homogenität herzustellen. 

 

Ich scheitere kläglich an der schwierigen Klettersequenz, kann auch nicht wirklich für mich auf die Schnelle eine Lösung ausfindig machen, so dass ich zum A0 greife. Leider erreiche ich den nächsten Bolt nicht, eine Trittschlinge muss her. Doch auch mit der Trittschlinge bin ich noch überfodert und brauche einige Versuche den nächsten Bolt zu erreichen. Hier wäre vielleicht ein kurzes Seilstück oder Bandschlinge hilfreich, das in diesem oberen Bolt fixiert ist. So wäre die Stelle für Plaisirkletterer entschärft und Anwärter auf einen onsight oder rotpunkt-Durchstieg hätten immer noch die Möglichkeit dazu...

 

Mit 50m Halbseilen ist man mit 4x abseilen zügig und unkompliziert wieder am Wandfuss zurück. Und kann die nächste Route in Angriff nehmen. Oder man macht auf gemütlich und schlendert zur Lidernenhütte zurück um bei einem kühlen Bier den Kletterhalbtag Revue passieren zu lassen...

 

Basler Route:

Papillon

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Sa

05

Aug

2017

kleiner Bockmattliturm Westwand: Element of Slime

Letztes Jahr bin ich an der Westwand des kleinen Bockmattliturmes die sehr empfehlenswerte Echo der Zeit von Marcel Dettling geklettert. Dabei fiel mir bereits die überaus gute Felsqualität im oberen, steilen Teil der Wand positiv auf. Ein Blick auf das Topo verriet, dass da noch einige Perlen schlummern könnten, allerdings war nicht so viel Info zu bekommen. Touren aus den 80er Jahren.

 

Durch Zufall bin ich dann auf die Element of Slime gestolpert. Die obersten 2 Seillängen existierten also schon seit langem, die Bolts gehörten getauscht, Marcel hat sich dieser Aufgabe angenommen und 4 weitere Seillängen in Falllinie erschlossen, so dass nun eine interessante alpine Sportkletterroute mit homogenen Schwierigkeiten daraus entstanden ist. Den Link zur Geschichte der Erschliessung von Marcel findet ihr am Schluss des Artikels.

 

Der Bockmattlifels an der Westwand des kleinen Bockmattliturmes ist schön kompakt, mit typischer Bockmattlikletterei, was heissen will, ein ständiger Wechsel aus athletischer Kletterei zwischen Schuppengriffen und feiner Steh- und Präzisionsarbeit über die kompakten Partien ist gefordert. Untergriffe, Seitgriffe, dann mal wieder anreissen zwischen 2 weit entfernten Henkeln. Die Absicherung ist sehr gelungen, die Bolts immer gut zu klippen, auch wenn anhaltend zwischen den Bohrhaken geklettert werden muss. Also keine Klettergartenabsicherung, aber sehr fair.

 

Lediglich der Auftakt nach der ersten Eingewöhnungsseillänge, also der Start der ersten 6c+ Seillänge = 2.SL, erfordert etwas psychisches Engagement. Der 2. Bohrhaken möchte ehrlich angeklettert werden, was im völlig unaufgewärmten (physisch wie psychisch) Zustand für mich zur Herausforderung wurde. Beim dritten Anlauf dann gab ich mir einen Ruck und stieg auf den Tritt, wo vorher die Hände waren, der Klip dann recht wackelig. Und die nachfolgenden Meter anhaltend schwierig, auch wenn sich alles auflöst. Eine ziemlich fordernde Auftaktlänge, jedenfalls weiss man danach, wo man dran ist in der Tour;-)

 

Die 3. SL klappt dann auf Anhieb, eine abdrängende seichte Verschneidung, Etwas mehr eine Zubringerseillänge zum oberen fantastisch steilen Aufbau der Westwand.

Etwas Verwirrung stiftete dann der Ausstieg der super langen L4. Rechts zum Stand des Westwändli oder links zum Stand mit Muniring? Prompt entschied ich mich für die falsche Variante, nämlich links. Es folgte für uns eine tolle athletische Seillänge, die wiederum zum Stand der L5 der Element of Slime hinüber führt. Auch danach darf man sich nicht beirren lassen. Die Element folgt kerzengerade hinauf, links der Boltquergang gehört zur Westkante. Die fette Sanduhr zum Fädeln am Start sollte nicht zu übersehen sein und ist gutes Indiz dafür auf der richtigen Route unterwegs zu sein;-)

 

Tolle Kletterei folgt, allerdings vermiest mir eine knifflige Stelle den Durchstieg. Eine Henkelschuppe will erreicht werden, an die ich partout nicht herankomme und auch der kurze Überhang erfordert beherztes Zupacken, Ansteigen und Durchziehen, aber erlebt es selbst...mit dem letzten Hemd erreiche ich den exponierten Stand, von dem über die Route abgeseilt werden kann. Wir aber setzen den Aufstieg in leichterem Gelände fort, nach 50m erreicht man den gemeinsamen Stand vom Westwändli, Echo der Zeit,..., oder nach gut 60m ganz oben auf dem Gupf folgt noch eine aufgebohrte Sanduhr mit gefädelter Schlinge zum Nachholen des Partners, wenn am unteren Stand mal wieder Andrang herrschen sollte.

 

Mit dem Klingeln der Kuhglocken im Ohr und dem Surren der Bienchen geniessen wir für einen Moment den Ausblick vom flachen Wiesengipfel. Das liebliche Gebiet steht so im krassen Gegensatz zu der fordernden Kletterei, die wir in den vergangenen 4 Stunden erleben durften. Das macht das Bockmattli vielleicht auch so speziell, so speziell schön. Erstklassiger Fels immer mit Blick auf den Zürisee und das Flachland, eingebettet in eine klassische Voralpenlandschaft mit Almbetrieb. Und doch wird der Kletterer gefordert, Ausspannen ist höchstens kurz am Stand möglich.

 

Für einen Rotpunktdurchstieg muss ich wohl wieder anrücken, aber was heisst da "müssen": "dürfen" wäre der bessere Ausdruck!!!

 

Infos zur Erstbegehung von Marcel unter:

http://mdettling.blogspot.ch/2015/09/bockmattli-element-of-slime-6c-7-sl.html

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Di

01

Aug

2017

Aiguille Dibona - klettern rund um das Refuge Soreiller

Die Dauphiné ist im deutschsprachigen Raum weniger bekannt, was wohl an der weiten Anreise liegen mag. Dabei ist dieses Gebirge in den französischen Alpen rund um den südlichsten 4000er der Alpen, die Barre des Écrins, für mich eines der Schönsten! Wild, ursprünglich, ohne übermässige Erschliessung und Infrastruktur. Dazu oft das südliche Wetter mit viel Sonnenschein. Und die Qualität der Anstiege und Routen ist vorzüglich, abwechslungsreich, eher felslastig, denn die grossen Gletscher haben ihre Blütezeit schon hinter sich. Den Kletterer erfreuts, den klassischen Bergsteiger wohl weniger, aber auch er wird in der Dauphiné noch fündig werden...

 

Die Aiguille Dibona, eine Felsnadel, ein Monument aus Stein. Eine Laune der Natur, die eine Felsqualität erschaffen hat, die besser nicht sein könnte. Strukturierter, griffiger Granit mit mega Reibung und in rötlichen Tönen. Auf 300m Wandhöhe wirst du keinen einzigsten brüchigen Griff oder Tritt finden! Die Qualität und Struktur der Felsen erinnert mich fast schon an die Vorzüglichkeit des Gesteins auf Korsika, aber das im Hochgebirge auf 3000m Höhe!

 

Mit dem Refuge Soreiller als Ausgangspunkt, das direkt am Fusse der Südwand liegt, haben wir also für 4 Tage unseren Stützpunkt gefunden. Die Vorteile liegen auf der Hand: null Zustieg = länger Schlafen und Flexibilität, was das Wetter anbelangt. Denn das sollte wider Erwarten einige Kapriolen schlagen, Hagel und Graupeln inklusive. Doch wenn man quasi direkt beim Einstieg einer Route nächtigt, dann gehen sich auch bis Mittag und somit noch vor Eintreffen eines Gewitters, viele Seillängen aus.

 

Martine, die Hüttenwirtin, organisiert mit ihrem Team die Horden an Kletterern und Wanderern recht gut. Jeder muss bevor er die Hütte verlässt mitteilen, welche Route er klettern wird, zu seiner eigenen Sicherheit (denn Empfang ist hier Fehlanzeige), aber auch um die Seilschaften zu koordinieren. Die Visite Obligatoire ist DER Klassiker im Gebiet und an schönen Tagen von etlichen Seilschaften belagert. Damit nicht alle um 8 Uhr beim Einstieg anstehen lohnt sich die allabendliche Organisation eben schon. Ansonsten darf man nichts grossartiges dort oben erwarten, klassisch karge Verpflegung, aber ausreichend und preislich fair und das Team ist wirklich nett und gut organisiert. Es gibt für 2€ sogar die Möglichkeit zu duschen, Trinkwasser und ein Selbstversorgerraum ist vorhanden, wenige Meter von der Hütte entfernt darf auch gezeltet werden, was sehr viele Kletterer gerne machen.

Aiguille Orientale du Soreiller: "la polka..."

Leider haben wir nur 3 Seillängen klettern können bevor uns der Hagel aus der Wand trieb. Ein Schneefeld, welches wohl immer unter dem Einstieg liegt, ist am Nachmittag im weichen Schnee gut ohne Extraausrüstung passierbar, nur die letzten 10m sind steil. Über glatten Fels mit ein paar Schuppen und Rissen erreicht man den ersten Stand der Route auf einem Pfeiler (eine Stelle ca. 5-).

Die Absicherung ist fordernd, Friends und Keile schaden also nicht am Klettergurt. Da über die Route auch wieder abgeseilt werden muss, kann jederzeit umgedreht werden, wobei das Abseilen einiges an Routine benötigt (schräges Abseilen mit Zwischenexpress einhängen, Seilverlauf,...)

Die ersten Seillängen sind mehr der Zubringer zum oberen roten steilen Teil, den wir leider nicht mehr klettern konnten. Aber trotzdem schön in gutem Fels.

 

Aiguille Dibona Ostwand: "Martine is on the rock"

Ohne Topo einzusteigen ist zwar etwas verwegen, da ich aber wusste, dass die maximale Schwierigkeit den Grad 6c nicht übersteigen sollte und die Absicherung 6a obl. ist,, stiegen wir in diese wunderschöne Sportklettertour ein, nachdem 2 andere Seilschaften 5m links nebenan die "Étique de la joie" beanspruchten. Noch triefte es aus den Rissen, schwarze Streifen säumten einige Wandabschnitte und die erste plattigere Seillänge auf feuchtem Fels rief nicht gerade ein "Plaisir-Gefühl" in mir auf. Aber der Grip passte und mit dem aufkommenden Wind und den Sonnenstrahlen trocknete der Fels rasch ab, Die zweite Seillänge beherbergt sogleich die Crux, eine senkrechte Wand mit abschüssigen Leisten, welche aber sehr nah eingebohrt ist und somit A0 erledigt werden könnte. Es wechseln plattige Stellen mit Schuppen und Rissspuren, alles ok abgesichert, auch wenn zwischen den Haken durchaus geklettert werden muss. Im oberen Teil wartet dann eine geniale Rissseillänge an einer Piazschuppe entlang. Steil und aussaugend, da Tritte Mangelware sind. Geilo, aber für mich dedinitiv keine 6a! Die obersten 2 Seillängen haben wir nicht mehr klettern können, da das Wetter sich einmal mehr veschlechterte und wir lieber abseilen wollten, als im Gewitter auf der Gipfelnadel der Dibona zu stehen...Das Abseilen ging recht flott, im Prinzip ist die Route auch dafür eingerichtet, eventuell für den oberen Teil Maillons und Reepschnüre zum Verbinden der Bohrhaken mitnehmen.

 

Aiguille Dibona: "Visite Obligatoire", Südwand

An einem Montag, an dem das Wetter am Morgen noch halbschwindlig aussah, liess für uns der Tag werden, an dem wir den Klassiker im Gebiet klettern wollten. Eine Seilschaft ist trotz leichtem Tröpfeln bereits früh am Morgen eingestiegen und war bereits in der 3. oder 4. Seillänge am Werkeln, als wir Hand an der Dibona anlegten. also kein Warten, freie Fahrt und Kletterfluss nach Belieben! Die ersten beiden plattigen Seillängen sind weniger plattig als erwartet, da Schüppchen und griffige Leisten mit viel Struktur den Weg gut vorgeben. Lediglich eine Stelle war etwas ungut im Vorstieg, der Rest ganz ok abgesichert. Es folgen abwechslungsreiche Seillängen an Traumfels. Strukturierter, kompakter Granit. Teilweise viel komplexer zu klettern, als es von unten den Anschein hat. Und der Schwierigkeitsgrad ist durchwegs obligat zu klettern. Mit 6a wie angegeben kommt man wohl eher nicht durch. Um die Tour wirklich geniessen zu können (und auch keine weiteren Sicherungsmittel anbringen zu müssen) sollte man einen 6b locker drauf haben! Dann aber entpuppt sich diese Tour als wirkliches Prachtsstück mit Fels erster Güte, einem Kletterfluss durch die langen Seillängen und einer Linie, die bereits von der Hütte aus studiert werden kann. Eine Seillänge habe ich besonders grandios in Erinnerung. Eine 40m 6+ Seillänge an Henkelschuppen und Rissen, steil und anhaltend, dazu im patagonischen Wind, der an diesem Tag kräftig bliess und uns dazu veranlasste mit Sturmkapuze zu klettern. Bis zum letzten Meter überzeugt die Visite Obligatoire auf ihrer ganzen Länge und das hat echt Seltenheitswert auf 300m Wandhöhe, oder?

 

Aiguille Dibona: "l'Étique de la joie", Ostwand

Hochgelobt wird diese Route, eine neue Perle an der Dibona Ostseite mit Start 5m rechts der Gedenktafel. Homogene Schwierigkeiten zeichnen auch diese Route aus, mehr oder weniger konstant im 6. Grad mit 6a+ Passagen, wobei wie auch bei der Visite der Schwierigkeitsgrad auch hier beherrscht werden sollte. Dann sind zusätzliche Sicherungsmittel nicht nötig und es macht einmal mehr einfach nur Spass an diesem festen, griffigen Gestein hinaufzuturnen. Wie auch bei der benachbarten Martine-Route sticht eine Schuppen/Rissseillänge hervor, die nach dem grossen Band. Eine Seillänge an runden, offenen Rillen/Rissen erfordert einen beherzten Vorstieg, die Kletterei ist ungewohnt und gefühlt weit gesichert, wenn auch nur mit 6a bewertet. In Summe klettert man in der "l'Étique" mehr an Schuppen und Rissen, wenn auch der erste Teil plattig ausschaut, die "Visiste" ist vom Charakter her plattiger zu klettern. Eine Empfehlung hat die l'Étique sicherlich verdient und wenn die Tour irgendwo anders wäre, wäre sie sicherlich bereits zum Klassiker emporgehoben worden. Wie überall an der Dibona, geiler Fels, abwechslungsreich und immer überzeugend!

 

 

Der Abstieg von der Dibona geht gut und leicht von statten. Am besten 2x 25m abseilen und dann die 50m auf dem Band entlang traversieren (leichte Kletterstellen im I. max. II. Grad). Auf dem Plateau, wo meist lange ein Schneefeld liegt, leiten dann viele Steinmänner und eine ausgetretene Spur durch das Schotter und Blockfeld hinunter. Wer die Routen an der Ostwand der Dibona gut kennt, findet dort auch sicherlich eine gute Variante mittels Abseilen. Ohne Ortskenntnis sicherlich aber eher verwegen...

Noch ein Tipp für die Anfahrt/Rückfahrt:

Von Zürich aus ist man in gut 4Stunden in Grenoble. Wer dieses Stück am Freitag Abend bereits zurücklegt, kann dort im OKKO Hotel nächtigen (booking.com). Liegt zwar im Zentrum (öffentliche gratis Parkplätze bis morgens um 9Uhr an der Strasse), aber sehr ruhig und neu mit interessantem Konzept: gratis Apéro und ein Snackbuffet, sowie Getränke rund um die Uhr gratis in der Lounge. Frühstück gibts bereits ab 7 Uhr. Die Speisen und Getränke haben alle eine super Qualität. 

Von dort ist man in 1,5h beim Ausgangspunkt zur Soreiller Hütte.

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So

16

Jul

2017

Urlaubswoche Saas-Almagell

Gletschertrail Mattmark

Vom Mattmarkstausee führt der markierte Steig zunächst am Seeufer entlang, um kurz darauf auf einem Karrenweg in leichter Steigung zur Schwarzbergalp zu führen. Ab hier ändert sich der Untergrund, ein klassischer Wanderweg schlängelt sich zum Schwarzbergkopf hinauf, von wo das prächtige Panorama auf den blanken und mit unzähligen Querspalten durchzogenen Allalingletscher frei wird.

 

Immer gut markiert mit blauen Stangen und in den Geröllpassagen mit weiss-blau-weissen Farbtupfern sucht sich der Gletschertrail über den flachsten Abschnitt des Gletschers einen gut gangbaren Weg. Das Eis ist griffig, kleine Rinnsale plätschern munter zwischen den Eisformationen entlang.

 

Die Britanniahütte im Blick zieht sich der Weg dann aber doch mehr als gedacht. Das teilweise unwegsame Blockgelände vermindert das Gehtempo und erfordert immer wieder viel Balance auf den wackligen Steinen. Strahlhorn, Allalinhorn, Rimpfischhorn. Ganz in der Nähe dieser 4000er und doch noch ein gutes Stück entfernt, ein wunderbarer und abwechslungsreicher Panoramatrail.

 

Ab der Britanniahütte ändert sich die Frequentierung des Weges schlagartig. Massen strömen in Scharen hinauf zur Hütte, vom Felskinn oder Plattje kommend. Ein begehrtes Ziel die Britanniahütte, bietet sie doch wunderschönes Panorama und stellt einen guten Ausgangspunkt für leichte 4000er-Sammler dar.

 

Kleine Schneefelder unterhalb der Hütte abrutschend, dann über eine steile Moräne und schliesslich auf einem tollen Höhenweg hinüber zur Bergstation Plattje. Heute haben wir viel gesehen, unterschiedlichstes Terrain unter den Sohlen gehabt und die Saaser 4000er in ihrer ganzen Pracht aus nächster Nähe beobachten dürfen. Eine Wandertour mit Empfehlung!

Höhenweg Furggstalden-Kreuzboden

DER Panoramaweg im Saaser Tal. Bequem mit den Seilbahnen auf die schönste Wanderhöhe chauffieren lassen und einfach nur geniessen. Ich weiss nicht, wie oft ich stehen bleiben musste um das Panorama der Mischabelkette einfangen zu können. Ein Paradeweg. Aussichtsreich, gut angelegt und mit der Almagelleralp wartet sogar auf halber Strecke eine Einkehrmöglichkeit in wunderschöner Umgebung.

Route Panorama am Jegihorn

Plaisirklettern am Jegihorn. Die Route Panorama kommt zwar ohne Topo daher, ist allerdings angeschrieben am Felsen und in etwa in dergleichen Schwierigkeit anzusiedeln wie die beiden benachbarten Routen Alpendurst und S-Grat. Sehr gute Absicherung und der feste griffige Gneis lassen keine Schweissausbrüche zu, sondern zaubern ein Lächeln ins Gesicht! Genuss auf ganzer Spur.

 

Wir haben diesmal den Zustieg via Abstieg von Hohsaas gewählt um den strahlend sonnigen Morgen in der Höhe geniessen zu können. Die Aussicht auf die Mischabelkette ist fantastisch, der Zustieg in etwa zeitlich ähnlich, wenn auch die Distanz um einiges länger ist von Hohsaas aus.

Oberaletschgebiet

Eine für uns bisher völlig unbekannte Region stellt das Aletschgebiet dar. Keine Ahnung, warum wir dieses Juwel bisher verschmäht haben? Ich würde ja fast behaupten, dass der Hüttenzustieg zur Oberaletschhütte von Belalp aus fast der schönste Anstieg ist, den ich kenne?!? Es zieht sich zwar, 10,5km Wegstrecke müssen bis zur Hütte zurückgelegt werden, in Summe also Halbmarathondistanz, wenn auf gleicher Route die Bergstation Belalp erreicht werden will. Aber dieser Halbmarathon ist wirklich jeden Meter wert!

 

Traurig mickrig fällt der Blick zunächst auf die Überbleibsel des Aletschgletschers, sobald man um die Ecke biegt bei der Kapelle beim Hotel Belalp. Der Gletscher hat an unvorstellbar viel an Mächtigkeit und Länge eingebüsst. Und trotzdem ein schöner Anblick mit der S-Form und dem Grün der schroffen Hänge drumherum. So dann schweift der Blick mehr nach Westen und bleibt an den kecken Formationen der Fusshörner hängen. Ein Paradies für Kletterer.

 

Nächstes Highlight die Schlucht des Oberaletschgletschers, welche mittels Abstieg/Aufstieg und einer Hängebrücke gequert wird. Mächtige Wassermassen stürmen hier zu Tal, imposant der tiefe Einschnitt und der Blick hinter über den Oberaletschgletscher.

 

Danach geht es steil bergan, auf der Moräne und unterhalb der Fusshörner, bevor der Steig zu einem Höhenweg bis zur Oberaletschhütte wird. Im ständigen leichten bergauf/bergab zieht der extrem gut angelegte Panoramawanderweg durch die komplette steile Flanke oberhalb des Gletschers, welcher nur noch aus Schutt besteht. Ein Gletscherbach hat sich in der Mitte dieses grossen Schuttfeldes gebildet, welcher in Kurven gelegt den Gletscher halbiert. Granitwände im hinteren Talkessel kommen nach und nach hervor, das markante Nesthorn nimmt einen festen Platz auf der "oho"-Skala ein. Und irgendwann erreicht man tatsächlich das Ende, die kleine Oberaletschhütte, die hoch über den Gletscherärmen in einer einmaligen Lage thront. Das Aletschhorn im Norden, unbeschreiblich mächtige Granitberge gegenüber und natürlich dominiert dieses fantastische Nesthorn mit seiner Eishaube und den zackigen Graten. Eine Gletscherlandschaft wie aus dem Bilderbuch...zum Verweilen, Träumen und Ideen schmieden...

Spielboden Murmeli

Murmeltiere sind neben Steinböcken meine Lieblingstiere. Pelzig süss und doch geschickt im unwegsamen Bergterrain. Leider sind sie unheimlich scheu und meistens hört man nur ihre Pfiffe. Doch am Spielboden in Saas-Fee kann man die Murmeli hautnah erleben. Für 1CHF bekommt man direkt an der Seilbahnbergstation ein Säckchen mit Erdnüssen und Karotten zum Füttern.

 

Die beste Zeit ist der Vormittag, wenn noch nicht so viele Wanderer und Familien die Murmeli aufgesucht haben. Dann haben sie noch Hunger und freuen sich über die mitgebrachten Leckereien. Manche Tiere sind ganz und gar nicht scheu, andere schon eher. Aber mit etwas Geduld lockt man fast jedes Murmeli zu sich, die Tiere fressen aus der Hand und manche lassen sich sogar gerne streicheln.

 

Stundenlang könnte ich hier verweilen und den putzigen Tierchen zuschauen und sie beobachten...

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Sa

08

Jul

2017

Skyrun Lagginhorn

Unter den 4000ern zählt das Lagginhorn zu den "leichten" Hohen. Damit also prädestiniert für einen Skyrun.

Von der Kirche in Saas-Grund geht es auf rot-weiss markiertem Wanderweg in angenehmer Steilheit und etlichen Serpentinen über Triftalp und Kreuzboden zur Weissmieshütte, wo kurz dahinter ein deutlicher Pfad mit Steinmännern signalisiert zum mikrigen Überbleibsel des Lagginhorn Gletschers leitet. Aufgrund des guten Trittschnees ohne Eis verzichten wir auf die Schneeketten und erreichen bald das blockige, typische Gelände des Lagginhorn Normalanstieges. Im Prinzip ein Gelände, das mit deutlichen Wegspuren kaum zu verfehlen ist und mehr Gehen als Klettern erfordert. 

 

Durch unseren späten Start um 8:41h in Saas-Grund sind die Temperaturen auf dem Westgrat im oberen Teil gerade noch so erträglich in kurzen Hosen. Doch bald wandern schon Handschuhe und ein Windschutz an den Oberkörper. Nach 3h34min (inkl. kurzen Pausen) erreiche ich das Gipfelkreuz, wo Harry schon auf mich wartet. Der obligatorische Abklatscher, ein Gipfelbussi und ein Selfie folgen, bevor wir an etlichen Seilschaften vorbei Richtung Tal stürmen.

 

Doch wie so oft im Leben läuft es anders als man denkt...passend, direkt im Blickfeld der gut gefüllten Hüttenterrasse der Weissmieshütte schlägt Harry einen unbeabsichtigten Haken und knickt um. Mehr Humpelnd als Laufend erreichen wir die Station Kreuzboden, wo es Harry vorzieht, nach ausgiebiger Rast und Kühlung des geschwollenen Fusses im Teich den Lift zu nehmen. Ich setze nochmals zur Vollendung unseres Skyruns an und renne über die flowigen Trails hinab nach Saas-Grund zur Kirche. Die Uhr zeigt 5h48min (inkl. aller Pausen).

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Do

06

Jul

2017

Genusskletterei im Bockmattli: Namenlose Kante

Ich bin begeistert. Bereits die erste leichte Seillänge der namenlosen Kante bringt mich zum Jubeln. Griffig, fester Kalkstein, zwar abgeklettert und an den schwierigeren Stellen ordentlich poliert, aber wen störts bei dieser Linie und dieser Felsqualität im Allgemeinen?

 

Die Hände greifen Schuppen, versinken in grossen Kellen, nehmen mal eine Sanduhr als Bierhenkel gerne zur Fortbewegung, dazwischen blinken ab und an Bohrhaken, Normalhaken stecken ebenso und komfortable Stände auf grossen Podesten oder in kleinen Höhlen beenden jede Seillänge ohne Seilsalat und Unordnung. Der Fels würde gut Keile fressen oder für Sanduhren Platz bieten, wenn jemandem die eher spärliche Bolt-Bekakung unzureichend erscheint. Und die Crux-Passage ist bestens gesichert. Somit empfiehlt sich die Route nicht nur für Genussspechte, sondern auch für Alpineinsteiger oder als Familienkletterei.

 

Am Stand schwenken die Blicke immer wieder auf die bezaubernde Umgebung, auf den blauen Wägitalersee, die steilen Wände des kleinen Bockmattliturms oder die Serpentinen in der Gross Chälen. Das Grün der Wiesen harmoniert so toll mit dem Grau der Felsen und dem blauen Himmel. Idylle pur, dazu das Kuhglockengebimmel aus der Ferne. Das Bockmattli, ein Platz zum Verweilen und Träumen...

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Di

04

Jul

2017

Bristen Südgrat

Der Bristen. Ein Berg wie aus dem Bilderbuch. Ein Kegel, freistehend und mit satten 2550m von Amsteg wahrlich ein Konditionsbolzen. Über den NW- sowie den NO-Grat (Normalweg) bin ich diesem Koloss bereits aufs Haupt gestiegen. Diesmal sollte es der einsame S-Grat sein, über den bisher noch recht wenig Information im Internet zu finden ist.

 

Wir starten in der Frische des Morgens um 6:15Uhr unten an der Strasse Bushaltestelle Gurtnellen/Fellital. Im Gepäck nur das Nötigste an Kletterausrüstung (ein 30m 6,9er Strick und 3 Bandschlingen sowie ein paar Karabiner und den Ultraleichtgurt), schliesslich wollen allein bis zur Pörtlilücke 1800Hm bewältigt werden. Die spärlichen Informationen zum Südgrat verheissen Kletterei bis III+ und teils brüchiger Fels, wobei das Chluserwändli die Schlüsselstelle darstellen soll. Auf einem Foto schaut dieses "Wändli" vielmehr einer Wand gleich, steil und brüchig. Wo soll da ein 3+ hindurch zu finden sein? Nunja, wir wollen der Sache auf den Grund gehen...

 

Zunächst müssen ein paar Meter auf der wenig einladenen Strasse zurückgelegt werden, allerdings gibts später dann eine steile Abkürzung nach Felliberg im Wald. Danach steigt der Wanderweg nur wenig an ins Fellital, feucht und kühl, immer mit dem Rauschen des nahen Fellibaches im Ohr, bis schliesslich nach einem weiteren Aufschwung die Treschhütte erreicht ist. Ab hier öffnet sich das Tal und ein weiter Talgrund mit Almbetrieb zeigt sich dem Wanderer. Wir zweigen kurz darauf links ab Richtung Pörtlilücke. Die Botanik hat auf diesem steilen Anstieg das Zepter übernommen, wie im Urwald kämpfen wir uns auf dem zugewucherten Steiglein nach oben. Der Tau auf den Blätterrn hat unsere Schuhe bereits nass durchtränkt, klebrig picken Pollen und Insekten auf unserer Haut. Wir sind froh, als wir endlich diesem Alpin-Dschungel entrinnen und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf hinter Pörtlistäfeli im Gesicht spüren. Pause ist angesagt.

 

Dort oben im Pörtli wartet nämlich eine kleine Oase, ein munter plätscherndes Bächlein umringt von Urgesteinsbrocken und Almrosen. Im Westen eröffnen sich dem Betrachter vergletscherte Urner Berge, es ist windstill, friedlich und einfach ein Platz zum Wohlfühlen und die Seele baumeln lassen. Die restlichen 500Hm zur Pörtlilücke sind rasch bewältigt, die Blicke werden immer wieder auf die tollen Felsen am Ruchen gezogen. 

 

Weglos, aber einfach steigen wir nordwärts über Blöcke hinauf, westlich vom P2816 erreichen wir schliesslich den Grat, von wo der gesamte Bristen Südgrat ersichtlich wird. Wow, da liegt ja noch ganz schön was vor uns und das Chluserwändli...beeindruckend und furchteinflössend steil...

 

Um auf den Südgrat zu gelangen müssen zunächst die vorgelagerten Aufschwünge un der Zwächten passiert werden. Diese sind leider allesamt sehr brüchig, morscher Fels, zerborstet und zersplittert. In der Tat alles andere als Genuss. Wir tasten uns vorsichtig weiter, umgehen einige Zacken und Aufschwünge in den Flanken bis wir schliesslich die Chluserlücke erreichen. Puhh, ein ziemlicher Akt bis hierher, nicht schwierig zum Klettern, maximal bis II, aber einfach unangenehm brüchig. Und dann steht da dieses Chluserwändli vor uns. Eine Wand, mein Auge sucht nach kletterbaren Linien, doch alle Linien schauen schwerer aus, wie für unser mitgeführtes Material vorgesehen. Umdrehen? Keine Option.

 

Je näher wir der Wand kommen, desto mehr entpuppen sich kletterbare Strukturen dem Fels und als wir direkt davor stehen finde ich tatsächlich eine Lösung, die einen Versuch wert ist. Wir schlüpfen also rasch in unser Klettergestell und packen das Seil aus. Ein Normalhaken befindet sich genau vor unserer Nase, den einzigsten, den ich im Wändli gefunden habe. Mittels einer Traverse von 20m gelange ich zu einer nach rechts ansteigenden, kurzen Verschneidung (vielleicht10m) mit losen Schuppen, über die wir hinaufklettern und uns rechtshaltend über eine zweite Verschneidung in leichteres Gelände retten. Gesichert an Köpfeln, die echt Mangelware sind in Anbetracht des wenig zuverlässigen Gesteins, klettern wir gemeinsam weiter am gestreckten Seil, bis wir den höchsten Punkt des Wändli erreichen und das Seil wieder verstauen können. Der eigentliche Südgrat des Bristen ist endlich erreicht. Was ein Zustieg! Die Schwierigkeit auf unserer gewählten Linie durchs Chluserwändli beträgt vermutlich in der Tat nicht mehr als 3+, allerdings ist das Gestein durchwegs unzuverlässig und solide Sicherungspunkte so gut wie nicht auffindbar. 

 

Der Weiterweg am Bristen Südgrat entpuppt sich dann als Genuss-Scrambler, mehr oder weniger immer der Gratkante entlang liegen schöne Blöcke, nette Kletterstellen und guter Fels. So macht das Spass. Von einem Türmchen zum nächsten, der vermeintliche Gipfel entpuppt sich abermals als Vorgipfel, aber das Balancieren und Turnen an dem farbenfrohen Gestein macht Freude und wir kommen gut voran. Lediglich die letzten Meter zum Bristen Gipfel mit Steinmann sind dann nochmals von der übelsten Gesteinsqualität, aber nach dem Chluserwändli und dem ganzen gekraxle davor stellt auch dieser Übergang uns nicht mehr vor eine grosse Herausforderung...

 

Wow, der Blick hinunter auf die Autobahn und den Vierwaldstätter See sind atemberaubend. Da sind wir hergekommen? Cool! Es ist 1Uhr mittags, Wolkenfetzen umwabern immer wieder die Ostseite des Bristen, ein schönes Schauspiel.

 

Den Normalweg hinunter zum Bristenseeli finden wir recht gut, Steinmännli und gute Trittspuren und Abnutzungen auf den Felsbrocken erleichtern die Orientierung. Dass die Bristenhütte bewartet ist und mit einem kühlen Citro oder einem gespritzten Apfelsaft aufwartet wertet unsere Überschreitung nochmals deutlich auf. Durst löschen und dabei nach oben zurück schauen, toll!

 

Die Direttissima hinab nach Amsteg fordert schliesslich noch Knie und Oberschenkel mächtig heraus. 2700Hm im Abstieg wollen auch in Turnschuhen erst mal bewältigt werden...wie gut, dass die Bäckerei in Amsteg feine Glacé und eisgekühlte Getränke bereithält und das Warten auf die Busfahrt versüsst...

 

Danke Andrea für deine Begleitung, ein grandioser Bergtag, den man als Gesamtpaket betrachten muss. Wer nur auf lässige Kletterei aus ist, wird am Bristen nicht fündig werden...

 

 

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Sa

24

Jun

2017

Skyrun Matterhorn über Hörnligrat

Die Chance am Schopf packen...jetzt oder nie, soviel stand fest. Andrea hatte mir ein Foto mit dem Hörnligrat geschickt, topaktuell, alles ohne Schnee, der ganze Grat wäre zur Zeit ohne Steigeisen möglich. Also perfekte Verhältnisse um das Matterhorn im Skyrunningstil anzugehen.

 

Somit finden wir uns gegen Mitternacht im Parkterminal Täsch wieder, der uns für 2 Stunden mehr schlecht als recht als Nächtigungsstätte dienen muss. Mit dem Zug um 3Uhr mitten in der stockfinsteren Nacht pendeln wir nach Zermatt hinauf. Durch die ungewohnt leeren Gassen rennen wir den ersten Kilometer, bevor wir auf den Wanderweg einbiegen, der uns zum Schwarzsee hinaufbringt. Noch läuft der Körper eher eckig als rund, doch die Motivation und Vorfreude siegt letztendlich und selbst ein paar Regentropfen können unseren Eifer kaum Einhalt gebieten.

 

Als wir um eine Serpentine biegen, erhellt uns plötzlich ein Stirnlampenlicht. Ein weiterer Skyrunner ist im Anmarsch, der uns allerdings zügig überholt und auch schon bald völlig aus unseren Augen verschwindet. Erst hoch oben am Grat, auf Höhe der Eseltritte, werden wir ihm (bereits im Abstieg befindlich) wieder begegnen. Es ist der Zermatter Andreas Steindl, kein Wunder also, dass der Typ an uns wie eine Rakete vorbeigeschossen ist...

 

Noch immer ist es irgendwie finster, dicke Wolken umhüllen die hohen Berge und wir zweifeln am Wetterbericht. Wäre ja nicht das erste Mal, dass er schlichtweg nicht passt. Nach fast 2:45h erreichen wir bereits die Hörnlihütte und freuen uns über den Stopp. Lange Hose, langes Shirt, Windjacke und Haube wandern an unsere etwas ausgekühlten Körper, mir klappern sogar die Zähne. 2 Bergsteiger schlummern noch im Winterraum der Hörnlihütte, ihnen war es zu windig um aufzubrechen. Na das sind ja mal keine tollen News.

 

Der Einstieg über die Fixseile beginnt keine 5 Minuten entfernt von der Hörnlihütte, es kann also losgehen mit unserem epic adventure!

 

Im Hellen finden wir den Anstieg auf Anhieb, Wegspuren leiten über griffige Felsstufen, ab und zu verirrt sich auch eine Markierung am Anfang bis zum ersten grossen Turm, wo man den Grat betritt. 100%ige Konzentration vom Einstieg in den Grat bei der Gedenktafel bis zum Gipfelkreuz und wieder hinunter bis zur Hörnlihütte. Die Anspannung darf tatsächlich keine Sekunde der Entspannung Platz machen. Die Kletterei ist nie wirklich schwierig, es ist folglich mehr eine Art Treppensteigen unter Gebrauch der Hände ab und an. Aber dieses lange Aufrechterhalten der Konzentration macht eben die Crux am Hörnligrat aus...

 

Sich flüssig fortbewegen, höhersteigen mit möglichst wenig Kraftaufwand, ich liebe dieses Terrain am Matterhorn. Eigentlich rollt kein Steinchen, wenn man penibel der besten Route folgt, griffig abgegriffener und ausgeräumter Fels in allen Farben und Formen. Immer günstig geschichtet zum Klettern. Herrlich, ich fühle mich in meinem Element. Wenn da nur die Höhe nicht wäre...So langsam macht sich Kopfweh breit und wir nutzen das Solvay-Biwak als willkommenen Pauseplatz in der Sonne, um Energie nachzutanken. Welch Dramen sich hier oben schon abgespielt haben, das kann man sich nur ausmalen, spannend wäre, wenn die Unterstandsschachtel da oben am Grat, die gerade mal die Hälfte markiert, sprechen könnte!

 

Nach dem Biwak wird das Gelände zunehmend offensichtlicher von der Routenfindung und wir kommen nochmals gut vorwärts. 3 Seilschaften passieren uns mit viel Gerumpel und Steinschlag, zum Glück fliegen die teilweise kühlschrankgrossen Brocken in die Ostwand hinab. Danach wird es wieder friedlich und ruhig, die Fixseile beginnen und leiten in teilweise recht steilem Gelände bis zum Gipfelaufbau. Wolkenfetzen schwirren um uns herum, just in dem Moment, wo wir den italienischen Gipfel betreten, lichten sie sich und wir dürfen ein paar Sonnenstrahlen erhaschen. Der Matterhorngipfel für uns alleine, unglaublich! Nach ca. 7:15h (inkl. 40 Minuten Pause) seit unserem Aufbruch am Bahnhof in Zermatt dürfen wir uns dort oben in die Arme und für einen kurzen Moment auch die Anspannung fallen lassen.

 

Ein weiterer Skyrunner erreicht den Gipfel, wir klatschen ab, gratulieren und tauschen uns aus. Geilo, der Matterhorngipfel in Skyrunnerhand....

 

Wie zu erwarten zieht sich der Abstieg, fast gleichlang brauchen wir und besonders im unteren Teil ist der richtige Weg nicht immer leicht zu finden. Doch alles hat irgendwann ein Ende und die Hörnlihütte kommt näher, Schwarsee kommt näher, Zermatt kommt näher und finally, nach fast 15h (inklusive aller Pausen) sind wir wieder beim Bahnhof, diesmal umgeben von dem üblichen, quirligen Touristentreiben.

 

Das Matterhorn in Turnschuhen. 3000 Höhenmeter. Was für ein epic adventure!

 

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Fr

26

Mai

2017

Mont Blanc Singlepush

Der Mont Blanc. Mit 4808m der höchste Punkt der Alpen und von Chamonix aus auch die längste Skitour in einem Rutsch. Wenn Mont Blanc, dann wollte ich diesen schon immer von unten angehen by fairmeans. Doch 3700Hm bei 30km Wegstrecke wollen erstmal bewältigt werden...

 

Jetzt oder nie. Die Auffahrtstage versprachen optimale Verhältnisse, nur leider fehlte uns die vorherige Akklimatisation. Egal, wir versuchen es.

 

Um 3:10Uhr starten wir in die warme klare Nacht beim Parkplatz des Tunnelportals, unsere Ski und Schuhe auf dem Rucksack tragend, nur das Nötigste im Gepäck und auf Gewicht getrimmt. Bei der Schneegrenze auf ca.2100m legen wir unser Schuhdepot an, ebenfalls wandert eine Wasserflasche unter den Felsblock. Mal tragend, mal gehend, erreichen wir die alte Seilbahnstation, von wo kurz oberhalb die Traverse zum Gletscher beginnt, Steigeisen sind Pflicht, die Spur ist eisig und ein Fehltritt würde fatal enden.

 

Am Gletscher endlich gemütliches Schlürfen Schritt für Schritt, die umgebenden Eisbrüche formen bizarre Strukturen, die im Morgenlicht ihre bedrohliche Wirkung umso mehr zur Geldzung bringen. Im Tal unten brennt noch Licht, aber im Osten hat sich der Himmel bereits gelb-rot verfärbt. Wir kommen gut vorwärts, lediglich der Übergang in der Jonction zum Skihang unterhalb der Grands Mulets Hütte hält uns kurz auf. Der Pickel muss raus, die Ski auf den Rucksack, auch wenn es nur für 1m ist!

 

Wir wählen die Aufstiegsroute über Petit und Grand Plateau, welche zeit- und kraftsparend wirkt gegenüber der langen Tragepassage direkt über den Nordgrat des Dome du Gouter. Immernoch geht es uns prächtig, wir sind motiviert und geniessen das atemnberaubende Gletscherpanorama, welches sich uns auftut. DieAiguille du Midi wirkt noch immer riessig, der Gipfel des Mont Blanc noch in weiter Ferne.

 

Ab dem Grand Plateau macht sich schliesslich unsere fehlende Akklimatisation bemerkbar. Schlagartig verlieren wir an Leistungsfähigkeit, der Kopf beginnt zu dröhnen und auch eine leichte Übelkeit setzt ein. Die ausgiebige Rast verleiht zwar kurzzeitig nochmals einen Energieschub, das Vallotbiwak erreichen wir aber nur mühsam und hinter unserem Zeitplan. Ab hier heisst es abermals Ski aufschnallen, Steigeisen an und Schritt für Schritt in kleinen Etappen denken. Eine gefühlte Ewigkeit torkeln wir im Everesttempo der Autobahn hinterher. Zum Glück sind fast alle Mont Blanc Anwärter bereits bei der Abfahrt über die Nordflanke oder auf dem Gipfel, so dass wir ohne Ausweichmanöver in unserem Tempo jeden einzelnen der tausend Aufschwünge meistern können. 

 

Noch nie habe ich vorher die Höhe in dieser Form gespürt. Akute Höhenkrankheit. Lebensgefährlich. Im Bewusstsein dessen haben wir schon gezweifelt, ob wir weitergehen sollen, doch so kurz vorm Ziel aufgeben? Und mit Ski ist man dann doch schnell wieder unten...Schwindel, Übelkeit und massive Kopfschmerzen begleiteten uns also auf den letzen 1,5h zum Gipfel und ich bin beeindruckt, wie sehr die Sauerstoffarmut den Kopf und Verstand benebelte. Nur bei voller Konzentration konnten wir Schritt vor Schritt setzen ohne zu Taumeln, immer wieder mussten wir uns hinknien und rasten und am Gipfel selbst dauerte das Umsattel auf Ski gefühlte Stunden. Gipfelgenuss? Weit gefehlt! Nur noch hinab! Und zwar so schnell wie irgend möglich! 

 

Mit total erschöpften Körpern die eisige Nordflanke des Mont Blanc irgendwie zu meistern, das war jetzt der nächste Schritt. Von Eleganz und Abfahrtsgenuss weit entfernt. Weiter immmer weiter, hinab, hinab, hinab. Die erste wirkliche Pause gönnten wir uns auch erst wieder auf Höhe der Grands Mulets Hütte, bis dorthin war es schlichtweg ein skifahrerischer Krampf für mich mit meinen schmalen Stixi-Wettkampfschi. Dass es mittlerweile schon Nachmittag war und die Jonction sicherlich aufgeweicht und heikler sein würde, nahmen wir in Kauf. Das Seil blieb abermals im Rucksack, der Faktor Zeit überwiegte das Sicherheitsempfinden für diesen Moment.

 

Ein Schuhdepot sollte immer gut auffindbar angelegt werden. Doch im Dunkeln schaut die Welt dann doch anders aus und es kostete uns einiges an Zeit, das Sackerl mit den Schuhen wieder aufzufinden. Froh um das deponierte Wasser, das kurze Shirt und die weichen Turnschuhe polterten wir die verbleibenden 800Hm zurück zum Auto, welches wir erst um 18:45h erreichten. Wow, diese Tour hat definitiv alles in den Schatten gestellt, was ich bisher gemacht hatte. Noch nie sind wir dermassen an unser körperliches und psychisches Limit gestossen. Beeindruckend diese Erfahrung!

 

Facts:

Tunnelportal bis Mont Blanc Gipfel: 10:45h

Gesamt: 15:35h

3700Hm, 31km

 

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So

21

Mai

2017

Sustentrilogie

Ist nicht gerade Everest-Besteigungszeit? Am Sustenpass wohl auch und so schlängelt sich die Perlenkette in durchgängiger Kolonne bis zum Sustenhorn in der teilweise 4-spurigen Autobahn. Aber wen wunderts? Traumpulver und Sonne pur. Wir machen mit.

 

Mit noch schweren Beinen vom gestrigen Berglauf an den Mythen müssen wir für heute einsehen, dass das Ziel, die 3 Gipfel Susten-, Gwächtenhorn und mittlerer Tierberg aneinanderzuhängen zwar möglich ist, wir aber von Anfang an auf unterer Stufe unseren Motor betreiben werden müssen. Die Motivation ist trotzdem hoch, solch ein Prachtstag will genutzt werden. 

 

Umso schöner, als wir auf dem Gwächtenhorn mitten auf dem breiten Gipfelplateau Stefi und Simon antreffen. So unverhofft ist das Wiedersehen umso schöner und wir beschliessen gemeinsam noch den mittleren Tierberg dranzuhängen und natürlich ein Après-Bier auf der Sonnenterrasse am Steingletscher.

 

Powderabfahrt vom Sustenhorn. Powderabfahrt vom Gwächtenhorn und last but not least Powderabfahrt vom Tierberg. Was ein geiler Maisonntag!!!!

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gesundes-wandern.com

Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

info@gesundes-wandern.com