So

16

Jul

2017

Urlaubswoche Saas-Almagell

Gletschertrail Mattmark

Vom Mattmarkstausee führt der markierte Steig zunächst am Seeufer entlang, um kurz darauf auf einem Karrenweg in leichter Steigung zur Schwarzbergalp zu führen. Ab hier ändert sich der Untergrund, ein klassischer Wanderweg schlängelt sich zum Schwarzbergkopf hinauf, von wo das prächtige Panorama auf den blanken und mit unzähligen Querspalten durchzogenen Allalingletscher frei wird.

 

Immer gut markiert mit blauen Stangen und in den Geröllpassagen mit weiss-blau-weissen Farbtupfern sucht sich der Gletschertrail über den flachsten Abschnitt des Gletschers einen gut gangbaren Weg. Das Eis ist griffig, kleine Rinnsale plätschern munter zwischen den Eisformationen entlang.

 

Die Britanniahütte im Blick zieht sich der Weg dann aber doch mehr als gedacht. Das teilweise unwegsame Blockgelände vermindert das Gehtempo und erfordert immer wieder viel Balance auf den wackligen Steinen. Strahlhorn, Allalinhorn, Rimpfischhorn. Ganz in der Nähe dieser 4000er und doch noch ein gutes Stück entfernt, ein wunderbarer und abwechslungsreicher Panoramatrail.

 

Ab der Britanniahütte ändert sich die Frequentierung des Weges schlagartig. Massen strömen in Scharen hinauf zur Hütte, vom Felskinn oder Plattje kommend. Ein begehrtes Ziel die Britanniahütte, bietet sie doch wunderschönes Panorama und stellt einen guten Ausgangspunkt für leichte 4000er-Sammler dar.

 

Kleine Schneefelder unterhalb der Hütte abrutschend, dann über eine steile Moräne und schliesslich auf einem tollen Höhenweg hinüber zur Bergstation Plattje. Heute haben wir viel gesehen, unterschiedlichstes Terrain unter den Sohlen gehabt und die Saaser 4000er in ihrer ganzen Pracht aus nächster Nähe beobachten dürfen. Eine Wandertour mit Empfehlung!

Höhenweg Furggstalden-Kreuzboden

DER Panoramaweg im Saaser Tal. Bequem mit den Seilbahnen auf die schönste Wanderhöhe chauffieren lassen und einfach nur geniessen. Ich weiss nicht, wie oft ich stehen bleiben musste um das Panorama der Mischabelkette einfangen zu können. Ein Paradeweg. Aussichtsreich, gut angelegt und mit der Almagelleralp wartet sogar auf halber Strecke eine Einkehrmöglichkeit in wunderschöner Umgebung.

Route Panorama am Jegihorn

Plaisirklettern am Jegihorn. Die Route Panorama kommt zwar ohne Topo daher, ist allerdings angeschrieben am Felsen und in etwa in dergleichen Schwierigkeit anzusiedeln wie die beiden benachbarten Routen Alpendurst und S-Grat. Sehr gute Absicherung und der feste griffige Gneis lassen keine Schweissausbrüche zu, sondern zaubern ein Lächeln ins Gesicht! Genuss auf ganzer Spur.

 

Wir haben diesmal den Zustieg via Abstieg von Hohsaas gewählt um den strahlend sonnigen Morgen in der Höhe geniessen zu können. Die Aussicht auf die Mischabelkette ist fantastisch, der Zustieg in etwa zeitlich ähnlich, wenn auch die Distanz um einiges länger ist von Hohsaas aus.

Oberaletschgebiet

Eine für uns bisher völlig unbekannte Region stellt das Aletschgebiet dar. Keine Ahnung, warum wir dieses Juwel bisher verschmäht haben? Ich würde ja fast behaupten, dass der Hüttenzustieg zur Oberaletschhütte von Belalp aus fast der schönste Anstieg ist, den ich kenne?!? Es zieht sich zwar, 10,5km Wegstrecke müssen bis zur Hütte zurückgelegt werden, in Summe also Halbmarathondistanz, wenn auf gleicher Route die Bergstation Belalp erreicht werden will. Aber dieser Halbmarathon ist wirklich jeden Meter wert!

 

Traurig mickrig fällt der Blick zunächst auf die Überbleibsel des Aletschgletschers, sobald man um die Ecke biegt bei der Kapelle beim Hotel Belalp. Der Gletscher hat an unvorstellbar viel an Mächtigkeit und Länge eingebüsst. Und trotzdem ein schöner Anblick mit der S-Form und dem Grün der schroffen Hänge drumherum. So dann schweift der Blick mehr nach Westen und bleibt an den kecken Formationen der Fusshörner hängen. Ein Paradies für Kletterer.

 

Nächstes Highlight die Schlucht des Oberaletschgletschers, welche mittels Abstieg/Aufstieg und einer Hängebrücke gequert wird. Mächtige Wassermassen stürmen hier zu Tal, imposant der tiefe Einschnitt und der Blick hinter über den Oberaletschgletscher.

 

Danach geht es steil bergan, auf der Moräne und unterhalb der Fusshörner, bevor der Steig zu einem Höhenweg bis zur Oberaletschhütte wird. Im ständigen leichten bergauf/bergab zieht der extrem gut angelegte Panoramawanderweg durch die komplette steile Flanke oberhalb des Gletschers, welcher nur noch aus Schutt besteht. Ein Gletscherbach hat sich in der Mitte dieses grossen Schuttfeldes gebildet, welcher in Kurven gelegt den Gletscher halbiert. Granitwände im hinteren Talkessel kommen nach und nach hervor, das markante Nesthorn nimmt einen festen Platz auf der "oho"-Skala ein. Und irgendwann erreicht man tatsächlich das Ende, die kleine Oberaletschhütte, die hoch über den Gletscherärmen in einer einmaligen Lage thront. Das Aletschhorn im Norden, unbeschreiblich mächtige Granitberge gegenüber und natürlich dominiert dieses fantastische Nesthorn mit seiner Eishaube und den zackigen Graten. Eine Gletscherlandschaft wie aus dem Bilderbuch...zum Verweilen, Träumen und Ideen schmieden...

Spielboden Murmeli

Murmeltiere sind neben Steinböcken meine Lieblingstiere. Pelzig süss und doch geschickt im unwegsamen Bergterrain. Leider sind sie unheimlich scheu und meistens hört man nur ihre Pfiffe. Doch am Spielboden in Saas-Fee kann man die Murmeli hautnah erleben. Für 1CHF bekommt man direkt an der Seilbahnbergstation ein Säckchen mit Erdnüssen und Karotten zum Füttern.

 

Die beste Zeit ist der Vormittag, wenn noch nicht so viele Wanderer und Familien die Murmeli aufgesucht haben. Dann haben sie noch Hunger und freuen sich über die mitgebrachten Leckereien. Manche Tiere sind ganz und gar nicht scheu, andere schon eher. Aber mit etwas Geduld lockt man fast jedes Murmeli zu sich, die Tiere fressen aus der Hand und manche lassen sich sogar gerne streicheln.

 

Stundenlang könnte ich hier verweilen und den putzigen Tierchen zuschauen und sie beobachten...

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Sa

08

Jul

2017

Skyrun Lagginhorn

Unter den 4000ern zählt das Lagginhorn zu den "leichten" Hohen. Damit also prädestiniert für einen Skyrun.

Von der Kirche in Saas-Grund geht es auf rot-weiss markiertem Wanderweg in angenehmer Steilheit und etlichen Serpentinen über Triftalp und Kreuzboden zur Weissmieshütte, wo kurz dahinter ein deutlicher Pfad mit Steinmännern signalisiert zum mikrigen Überbleibsel des Lagginhorn Gletschers leitet. Aufgrund des guten Trittschnees ohne Eis verzichten wir auf die Schneeketten und erreichen bald das blockige, typische Gelände des Lagginhorn Normalanstieges. Im Prinzip ein Gelände, das mit deutlichen Wegspuren kaum zu verfehlen ist und mehr Gehen als Klettern erfordert. 

 

Durch unseren späten Start um 8:41h in Saas-Grund sind die Temperaturen auf dem Westgrat im oberen Teil gerade noch so erträglich in kurzen Hosen. Doch bald wandern schon Handschuhe und ein Windschutz an den Oberkörper. Nach 3h34min (inkl. kurzen Pausen) erreiche ich das Gipfelkreuz, wo Harry schon auf mich wartet. Der obligatorische Abklatscher, ein Gipfelbussi und ein Selfie folgen, bevor wir an etlichen Seilschaften vorbei Richtung Tal stürmen.

 

Doch wie so oft im Leben läuft es anders als man denkt...passend, direkt im Blickfeld der gut gefüllten Hüttenterrasse der Weissmieshütte schlägt Harry einen unbeabsichtigten Haken und knickt um. Mehr Humpelnd als Laufend erreichen wir die Station Kreuzboden, wo es Harry vorzieht, nach ausgiebiger Rast und Kühlung des geschwollenen Fusses im Teich den Lift zu nehmen. Ich setze nochmals zur Vollendung unseres Skyruns an und renne über die flowigen Trails hinab nach Saas-Grund zur Kirche. Die Uhr zeigt 5h48min (inkl. aller Pausen).

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Do

06

Jul

2017

Genusskletterei im Bockmattli: Namenlose Kante

Ich bin begeistert. Bereits die erste leichte Seillänge der namenlosen Kante bringt mich zum Jubeln. Griffig, fester Kalkstein, zwar abgeklettert und an den schwierigeren Stellen ordentlich poliert, aber wen störts bei dieser Linie und dieser Felsqualität im Allgemeinen?

 

Die Hände greifen Schuppen, versinken in grossen Kellen, nehmen mal eine Sanduhr als Bierhenkel gerne zur Fortbewegung, dazwischen blinken ab und an Bohrhaken, Normalhaken stecken ebenso und komfortable Stände auf grossen Podesten oder in kleinen Höhlen beenden jede Seillänge ohne Seilsalat und Unordnung. Der Fels würde gut Keile fressen oder für Sanduhren Platz bieten, wenn jemandem die eher spärliche Bolt-Bekakung unzureichend erscheint. Und die Crux-Passage ist bestens gesichert. Somit empfiehlt sich die Route nicht nur für Genussspechte, sondern auch für Alpineinsteiger oder als Familienkletterei.

 

Am Stand schwenken die Blicke immer wieder auf die bezaubernde Umgebung, auf den blauen Wägitalersee, die steilen Wände des kleinen Bockmattliturms oder die Serpentinen in der Gross Chälen. Das Grün der Wiesen harmoniert so toll mit dem Grau der Felsen und dem blauen Himmel. Idylle pur, dazu das Kuhglockengebimmel aus der Ferne. Das Bockmattli, ein Platz zum Verweilen und Träumen...

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Di

04

Jul

2017

Bristen Südgrat

Der Bristen. Ein Berg wie aus dem Bilderbuch. Ein Kegel, freistehend und mit satten 2550m von Amsteg wahrlich ein Konditionsbolzen. Über den NW- sowie den NO-Grat (Normalweg) bin ich diesem Koloss bereits aufs Haupt gestiegen. Diesmal sollte es der einsame S-Grat sein, über den bisher noch recht wenig Information im Internet zu finden ist.

 

Wir starten in der Frische des Morgens um 6:15Uhr unten an der Strasse Bushaltestelle Gurtnellen/Fellital. Im Gepäck nur das Nötigste an Kletterausrüstung (ein 30m 6,9er Strick und 3 Bandschlingen sowie ein paar Karabiner und den Ultraleichtgurt), schliesslich wollen allein bis zur Pörtlilücke 1800Hm bewältigt werden. Die spärlichen Informationen zum Südgrat verheissen Kletterei bis III+ und teils brüchiger Fels, wobei das Chluserwändli die Schlüsselstelle darstellen soll. Auf einem Foto schaut dieses "Wändli" vielmehr einer Wand gleich, steil und brüchig. Wo soll da ein 3+ hindurch zu finden sein? Nunja, wir wollen der Sache auf den Grund gehen...

 

Zunächst müssen ein paar Meter auf der wenig einladenen Strasse zurückgelegt werden, allerdings gibts später dann eine steile Abkürzung nach Felliberg im Wald. Danach steigt der Wanderweg nur wenig an ins Fellital, feucht und kühl, immer mit dem Rauschen des nahen Fellibaches im Ohr, bis schliesslich nach einem weiteren Aufschwung die Treschhütte erreicht ist. Ab hier öffnet sich das Tal und ein weiter Talgrund mit Almbetrieb zeigt sich dem Wanderer. Wir zweigen kurz darauf links ab Richtung Pörtlilücke. Die Botanik hat auf diesem steilen Anstieg das Zepter übernommen, wie im Urwald kämpfen wir uns auf dem zugewucherten Steiglein nach oben. Der Tau auf den Blätterrn hat unsere Schuhe bereits nass durchtränkt, klebrig picken Pollen und Insekten auf unserer Haut. Wir sind froh, als wir endlich diesem Alpin-Dschungel entrinnen und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf hinter Pörtlistäfeli im Gesicht spüren. Pause ist angesagt.

 

Dort oben im Pörtli wartet nämlich eine kleine Oase, ein munter plätscherndes Bächlein umringt von Urgesteinsbrocken und Almrosen. Im Westen eröffnen sich dem Betrachter vergletscherte Urner Berge, es ist windstill, friedlich und einfach ein Platz zum Wohlfühlen und die Seele baumeln lassen. Die restlichen 500Hm zur Pörtlilücke sind rasch bewältigt, die Blicke werden immer wieder auf die tollen Felsen am Ruchen gezogen. 

 

Weglos, aber einfach steigen wir nordwärts über Blöcke hinauf, westlich vom P2816 erreichen wir schliesslich den Grat, von wo der gesamte Bristen Südgrat ersichtlich wird. Wow, da liegt ja noch ganz schön was vor uns und das Chluserwändli...beeindruckend und furchteinflössend steil...

 

Um auf den Südgrat zu gelangen müssen zunächst die vorgelagerten Aufschwünge un der Zwächten passiert werden. Diese sind leider allesamt sehr brüchig, morscher Fels, zerborstet und zersplittert. In der Tat alles andere als Genuss. Wir tasten uns vorsichtig weiter, umgehen einige Zacken und Aufschwünge in den Flanken bis wir schliesslich die Chluserlücke erreichen. Puhh, ein ziemlicher Akt bis hierher, nicht schwierig zum Klettern, maximal bis II, aber einfach unangenehm brüchig. Und dann steht da dieses Chluserwändli vor uns. Eine Wand, mein Auge sucht nach kletterbaren Linien, doch alle Linien schauen schwerer aus, wie für unser mitgeführtes Material vorgesehen. Umdrehen? Keine Option.

 

Je näher wir der Wand kommen, desto mehr entpuppen sich kletterbare Strukturen dem Fels und als wir direkt davor stehen finde ich tatsächlich eine Lösung, die einen Versuch wert ist. Wir schlüpfen also rasch in unser Klettergestell und packen das Seil aus. Ein Normalhaken befindet sich genau vor unserer Nase, den einzigsten, den ich im Wändli gefunden habe. Mittels einer Traverse von 20m gelange ich zu einer nach rechts ansteigenden, kurzen Verschneidung (vielleicht10m) mit losen Schuppen, über die wir hinaufklettern und uns rechtshaltend über eine zweite Verschneidung in leichteres Gelände retten. Gesichert an Köpfeln, die echt Mangelware sind in Anbetracht des wenig zuverlässigen Gesteins, klettern wir gemeinsam weiter am gestreckten Seil, bis wir den höchsten Punkt des Wändli erreichen und das Seil wieder verstauen können. Der eigentliche Südgrat des Bristen ist endlich erreicht. Was ein Zustieg! Die Schwierigkeit auf unserer gewählten Linie durchs Chluserwändli beträgt vermutlich in der Tat nicht mehr als 3+, allerdings ist das Gestein durchwegs unzuverlässig und solide Sicherungspunkte so gut wie nicht auffindbar. 

 

Der Weiterweg am Bristen Südgrat entpuppt sich dann als Genuss-Scrambler, mehr oder weniger immer der Gratkante entlang liegen schöne Blöcke, nette Kletterstellen und guter Fels. So macht das Spass. Von einem Türmchen zum nächsten, der vermeintliche Gipfel entpuppt sich abermals als Vorgipfel, aber das Balancieren und Turnen an dem farbenfrohen Gestein macht Freude und wir kommen gut voran. Lediglich die letzten Meter zum Bristen Gipfel mit Steinmann sind dann nochmals von der übelsten Gesteinsqualität, aber nach dem Chluserwändli und dem ganzen gekraxle davor stellt auch dieser Übergang uns nicht mehr vor eine grosse Herausforderung...

 

Wow, der Blick hinunter auf die Autobahn und den Vierwaldstätter See sind atemberaubend. Da sind wir hergekommen? Cool! Es ist 1Uhr mittags, Wolkenfetzen umwabern immer wieder die Ostseite des Bristen, ein schönes Schauspiel.

 

Den Normalweg hinunter zum Bristenseeli finden wir recht gut, Steinmännli und gute Trittspuren und Abnutzungen auf den Felsbrocken erleichtern die Orientierung. Dass die Bristenhütte bewartet ist und mit einem kühlen Citro oder einem gespritzten Apfelsaft aufwartet wertet unsere Überschreitung nochmals deutlich auf. Durst löschen und dabei nach oben zurück schauen, toll!

 

Die Direttissima hinab nach Amsteg fordert schliesslich noch Knie und Oberschenkel mächtig heraus. 2700Hm im Abstieg wollen auch in Turnschuhen erst mal bewältigt werden...wie gut, dass die Bäckerei in Amsteg feine Glacé und eisgekühlte Getränke bereithält und das Warten auf die Busfahrt versüsst...

 

Danke Andrea für deine Begleitung, ein grandioser Bergtag, den man als Gesamtpaket betrachten muss. Wer nur auf lässige Kletterei aus ist, wird am Bristen nicht fündig werden...

 

 

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Sa

24

Jun

2017

Skyrun Matterhorn über Hörnligrat

Die Chance am Schopf packen...jetzt oder nie, soviel stand fest. Andrea hatte mir ein Foto mit dem Hörnligrat geschickt, topaktuell, alles ohne Schnee, der ganze Grat wäre zur Zeit ohne Steigeisen möglich. Also perfekte Verhältnisse um das Matterhorn im Skyrunningstil anzugehen.

 

Somit finden wir uns gegen Mitternacht im Parkterminal Täsch wieder, der uns für 2 Stunden mehr schlecht als recht als Nächtigungsstätte dienen muss. Mit dem Zug um 3Uhr mitten in der stockfinsteren Nacht pendeln wir nach Zermatt hinauf. Durch die ungewohnt leeren Gassen rennen wir den ersten Kilometer, bevor wir auf den Wanderweg einbiegen, der uns zum Schwarzsee hinaufbringt. Noch läuft der Körper eher eckig als rund, doch die Motivation und Vorfreude siegt letztendlich und selbst ein paar Regentropfen können unseren Eifer kaum Einhalt gebieten.

 

Als wir um eine Serpentine biegen, erhellt uns plötzlich ein Stirnlampenlicht. Ein weiterer Skyrunner ist im Anmarsch, der uns allerdings zügig überholt und auch schon bald völlig aus unseren Augen verschwindet. Erst hoch oben am Grat, auf Höhe der Eseltritte, werden wir ihm (bereits im Abstieg befindlich) wieder begegnen. Es ist der Zermatter Andreas Steindl, kein Wunder also, dass der Typ an uns wie eine Rakete vorbeigeschossen ist...

 

Noch immer ist es irgendwie finster, dicke Wolken umhüllen die hohen Berge und wir zweifeln am Wetterbericht. Wäre ja nicht das erste Mal, dass er schlichtweg nicht passt. Nach fast 2:45h erreichen wir bereits die Hörnlihütte und freuen uns über den Stopp. Lange Hose, langes Shirt, Windjacke und Haube wandern an unsere etwas ausgekühlten Körper, mir klappern sogar die Zähne. 2 Bergsteiger schlummern noch im Winterraum der Hörnlihütte, ihnen war es zu windig um aufzubrechen. Na das sind ja mal keine tollen News.

 

Der Einstieg über die Fixseile beginnt keine 5 Minuten entfernt von der Hörnlihütte, es kann also losgehen mit unserem epic adventure!

 

Im Hellen finden wir den Anstieg auf Anhieb, Wegspuren leiten über griffige Felsstufen, ab und zu verirrt sich auch eine Markierung am Anfang bis zum ersten grossen Turm, wo man den Grat betritt. 100%ige Konzentration vom Einstieg in den Grat bei der Gedenktafel bis zum Gipfelkreuz und wieder hinunter bis zur Hörnlihütte. Die Anspannung darf tatsächlich keine Sekunde der Entspannung Platz machen. Die Kletterei ist nie wirklich schwierig, es ist folglich mehr eine Art Treppensteigen unter Gebrauch der Hände ab und an. Aber dieses lange Aufrechterhalten der Konzentration macht eben die Crux am Hörnligrat aus...

 

Sich flüssig fortbewegen, höhersteigen mit möglichst wenig Kraftaufwand, ich liebe dieses Terrain am Matterhorn. Eigentlich rollt kein Steinchen, wenn man penibel der besten Route folgt, griffig abgegriffener und ausgeräumter Fels in allen Farben und Formen. Immer günstig geschichtet zum Klettern. Herrlich, ich fühle mich in meinem Element. Wenn da nur die Höhe nicht wäre...So langsam macht sich Kopfweh breit und wir nutzen das Solvay-Biwak als willkommenen Pauseplatz in der Sonne, um Energie nachzutanken. Welch Dramen sich hier oben schon abgespielt haben, das kann man sich nur ausmalen, spannend wäre, wenn die Unterstandsschachtel da oben am Grat, die gerade mal die Hälfte markiert, sprechen könnte!

 

Nach dem Biwak wird das Gelände zunehmend offensichtlicher von der Routenfindung und wir kommen nochmals gut vorwärts. 3 Seilschaften passieren uns mit viel Gerumpel und Steinschlag, zum Glück fliegen die teilweise kühlschrankgrossen Brocken in die Ostwand hinab. Danach wird es wieder friedlich und ruhig, die Fixseile beginnen und leiten in teilweise recht steilem Gelände bis zum Gipfelaufbau. Wolkenfetzen schwirren um uns herum, just in dem Moment, wo wir den italienischen Gipfel betreten, lichten sie sich und wir dürfen ein paar Sonnenstrahlen erhaschen. Der Matterhorngipfel für uns alleine, unglaublich! Nach ca. 7:15h (inkl. 40 Minuten Pause) seit unserem Aufbruch am Bahnhof in Zermatt dürfen wir uns dort oben in die Arme und für einen kurzen Moment auch die Anspannung fallen lassen.

 

Ein weiterer Skyrunner erreicht den Gipfel, wir klatschen ab, gratulieren und tauschen uns aus. Geilo, der Matterhorngipfel in Skyrunnerhand....

 

Wie zu erwarten zieht sich der Abstieg, fast gleichlang brauchen wir und besonders im unteren Teil ist der richtige Weg nicht immer leicht zu finden. Doch alles hat irgendwann ein Ende und die Hörnlihütte kommt näher, Schwarsee kommt näher, Zermatt kommt näher und finally, nach fast 15h (inklusive aller Pausen) sind wir wieder beim Bahnhof, diesmal umgeben von dem üblichen, quirligen Touristentreiben.

 

Das Matterhorn in Turnschuhen. 3000 Höhenmeter. Was für ein epic adventure!

 

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Fr

26

Mai

2017

Mont Blanc Singlepush

Der Mont Blanc. Mit 4808m der höchste Punkt der Alpen und von Chamonix aus auch die längste Skitour in einem Rutsch. Wenn Mont Blanc, dann wollte ich diesen schon immer von unten angehen by fairmeans. Doch 3700Hm bei 30km Wegstrecke wollen erstmal bewältigt werden...

 

Jetzt oder nie. Die Auffahrtstage versprachen optimale Verhältnisse, nur leider fehlte uns die vorherige Akklimatisation. Egal, wir versuchen es.

 

Um 3:10Uhr starten wir in die warme klare Nacht beim Parkplatz des Tunnelportals, unsere Ski und Schuhe auf dem Rucksack tragend, nur das Nötigste im Gepäck und auf Gewicht getrimmt. Bei der Schneegrenze auf ca.2100m legen wir unser Schuhdepot an, ebenfalls wandert eine Wasserflasche unter den Felsblock. Mal tragend, mal gehend, erreichen wir die alte Seilbahnstation, von wo kurz oberhalb die Traverse zum Gletscher beginnt, Steigeisen sind Pflicht, die Spur ist eisig und ein Fehltritt würde fatal enden.

 

Am Gletscher endlich gemütliches Schlürfen Schritt für Schritt, die umgebenden Eisbrüche formen bizarre Strukturen, die im Morgenlicht ihre bedrohliche Wirkung umso mehr zur Geldzung bringen. Im Tal unten brennt noch Licht, aber im Osten hat sich der Himmel bereits gelb-rot verfärbt. Wir kommen gut vorwärts, lediglich der Übergang in der Jonction zum Skihang unterhalb der Grands Mulets Hütte hält uns kurz auf. Der Pickel muss raus, die Ski auf den Rucksack, auch wenn es nur für 1m ist!

 

Wir wählen die Aufstiegsroute über Petit und Grand Plateau, welche zeit- und kraftsparend wirkt gegenüber der langen Tragepassage direkt über den Nordgrat des Dome du Gouter. Immernoch geht es uns prächtig, wir sind motiviert und geniessen das atemnberaubende Gletscherpanorama, welches sich uns auftut. DieAiguille du Midi wirkt noch immer riessig, der Gipfel des Mont Blanc noch in weiter Ferne.

 

Ab dem Grand Plateau macht sich schliesslich unsere fehlende Akklimatisation bemerkbar. Schlagartig verlieren wir an Leistungsfähigkeit, der Kopf beginnt zu dröhnen und auch eine leichte Übelkeit setzt ein. Die ausgiebige Rast verleiht zwar kurzzeitig nochmals einen Energieschub, das Vallotbiwak erreichen wir aber nur mühsam und hinter unserem Zeitplan. Ab hier heisst es abermals Ski aufschnallen, Steigeisen an und Schritt für Schritt in kleinen Etappen denken. Eine gefühlte Ewigkeit torkeln wir im Everesttempo der Autobahn hinterher. Zum Glück sind fast alle Mont Blanc Anwärter bereits bei der Abfahrt über die Nordflanke oder auf dem Gipfel, so dass wir ohne Ausweichmanöver in unserem Tempo jeden einzelnen der tausend Aufschwünge meistern können. 

 

Noch nie habe ich vorher die Höhe in dieser Form gespürt. Akute Höhenkrankheit. Lebensgefährlich. Im Bewusstsein dessen haben wir schon gezweifelt, ob wir weitergehen sollen, doch so kurz vorm Ziel aufgeben? Und mit Ski ist man dann doch schnell wieder unten...Schwindel, Übelkeit und massive Kopfschmerzen begleiteten uns also auf den letzen 1,5h zum Gipfel und ich bin beeindruckt, wie sehr die Sauerstoffarmut den Kopf und Verstand benebelte. Nur bei voller Konzentration konnten wir Schritt vor Schritt setzen ohne zu Taumeln, immer wieder mussten wir uns hinknien und rasten und am Gipfel selbst dauerte das Umsattel auf Ski gefühlte Stunden. Gipfelgenuss? Weit gefehlt! Nur noch hinab! Und zwar so schnell wie irgend möglich! 

 

Mit total erschöpften Körpern die eisige Nordflanke des Mont Blanc irgendwie zu meistern, das war jetzt der nächste Schritt. Von Eleganz und Abfahrtsgenuss weit entfernt. Weiter immmer weiter, hinab, hinab, hinab. Die erste wirkliche Pause gönnten wir uns auch erst wieder auf Höhe der Grands Mulets Hütte, bis dorthin war es schlichtweg ein skifahrerischer Krampf für mich mit meinen schmalen Stixi-Wettkampfschi. Dass es mittlerweile schon Nachmittag war und die Jonction sicherlich aufgeweicht und heikler sein würde, nahmen wir in Kauf. Das Seil blieb abermals im Rucksack, der Faktor Zeit überwiegte das Sicherheitsempfinden für diesen Moment.

 

Ein Schuhdepot sollte immer gut auffindbar angelegt werden. Doch im Dunkeln schaut die Welt dann doch anders aus und es kostete uns einiges an Zeit, das Sackerl mit den Schuhen wieder aufzufinden. Froh um das deponierte Wasser, das kurze Shirt und die weichen Turnschuhe polterten wir die verbleibenden 800Hm zurück zum Auto, welches wir erst um 18:45h erreichten. Wow, diese Tour hat definitiv alles in den Schatten gestellt, was ich bisher gemacht hatte. Noch nie sind wir dermassen an unser körperliches und psychisches Limit gestossen. Beeindruckend diese Erfahrung!

 

Facts:

Tunnelportal bis Mont Blanc Gipfel: 10:45h

Gesamt: 15:35h

3700Hm, 31km

 

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So

21

Mai

2017

Sustentrilogie

Ist nicht gerade Everest-Besteigungszeit? Am Sustenpass wohl auch und so schlängelt sich die Perlenkette in durchgängiger Kolonne bis zum Sustenhorn in der teilweise 4-spurigen Autobahn. Aber wen wunderts? Traumpulver und Sonne pur. Wir machen mit.

 

Mit noch schweren Beinen vom gestrigen Berglauf an den Mythen müssen wir für heute einsehen, dass das Ziel, die 3 Gipfel Susten-, Gwächtenhorn und mittlerer Tierberg aneinanderzuhängen zwar möglich ist, wir aber von Anfang an auf unterer Stufe unseren Motor betreiben werden müssen. Die Motivation ist trotzdem hoch, solch ein Prachtstag will genutzt werden. 

 

Umso schöner, als wir auf dem Gwächtenhorn mitten auf dem breiten Gipfelplateau Stefi und Simon antreffen. So unverhofft ist das Wiedersehen umso schöner und wir beschliessen gemeinsam noch den mittleren Tierberg dranzuhängen und natürlich ein Après-Bier auf der Sonnenterrasse am Steingletscher.

 

Powderabfahrt vom Sustenhorn. Powderabfahrt vom Gwächtenhorn und last but not least Powderabfahrt vom Tierberg. Was ein geiler Maisonntag!!!!

So

23

Apr

2017

Steile Couloirs im Val Ferret und Val d'Arpette, sowie Mont Dolent

Ein Rinnenparadies nahe der französisch/italienischen Grenze, aber noch auf schweizer Seite, welches an mir bisher spurlos vorrübergezogen ist. Quasi weisse Landkarte. Dramatisch eigentlich, denn die Anreise von Zürich mit gut 3 Stunden ist überschaubar und das Potenzial mehr als ergiebig.

 

Über airbnb kurzfristig eine super gelegene, nette Unterkunft in Issère gebucht und schon durfte es losgehen mit den Powderrinnen und 3 Tagen Sonnenschein.

 

Couloirs rund um Aiguilles de Sasses

Momentan kann man mit dem Auto bis ca. 1780m nach Ferret auf der holprigen Strasse hinauffahren. kleiner Parkplatz. Dann heisst es Skitragen für 20min.

Zuerst sind wir Richtung Col du Fourchon hinauf und dann rechts abgezweigt Richtung P2833. Guter Pulver bis ca.2500m, danach ruppig auf Lawinenresten und Harschdeckel hinab auf le Tenarde, wo wir nochmals angefellt haben und Richtung Aiguilles de Sasses loszogen. Im Hauptcouloir war einiges los am Samstag, wir entschieden uns daher ein Couloir weiter westlich 2 frischen Spuren zu folgen. Gute Wahl, Powder vom feinsten!

 

 

 

 

Couloir Nord (linker Arm) Aiguille d'Arpette

 

Vom Lac Champex kann man momentan die super steile Strasse hinauf in den Talgrund (Relais) des Val d'Arpette fahren, grosser Parkplatz. Zu Fuss geht es für 20min bis zum Schneeanfang. Und da von Anfang an in der Sonne rinnt bereits am frühen Morgen der Schweiss. Ganz im Gegensatz zum hinteren Val Ferret, wo wir erst spät das Sonnenlicht zu Gesicht bekamen.

 

Malerisch schön, aber auch einiges los am Anstiegsweg, wobei sich letztendlich die Skitourengänger dann doch verteilen. Wir zielen hinauf zum linken Arm des Nordcouloirs, wo eine Truppe die Tage zuvor ein gute Skispur hindurch gelegt hat. Auch wir können von dieser mit Harscheisen an den Ski gut 3/4 des ersten Couloirs profitieren, dann wird der Schnee zu harschig und steil um noch Meter zu machen. Wühlerei und Buckelei ist also angesagt. Und so kämpfen wir uns spurend zu einem Sattel, von wo eine Querung in das Hauptcouloir führt. Der Schnee wird nicht besser, harte Brocken, Schollen und ein griesiges Gemisch erleichtern uns die Spurerei nicht gerade. Nach oben hin steilt sich das Teil richtig auf und erreicht 50Grad, und schmal dazu auch noch. Ich für mich weiss bereits jetzt schon, dass ich diese 30Hm die Ski wieder zurücktragen werde...

 

Anstrengend und monoton, das ist Couloirskiing, aber gleichsam reizvoll und befriedigend. Über easy Kraxelei erreichen wir vom Ende des Couloirs, von wo ein Wahnsinnsblick auf den Glacier d'Orny frei wird, den kleinen Gipfel der Aiguille d'Arpette (P3059). Fast windstill, wenn auch frisch, geniessen wir diesen Augenblick ganz alleine dort oben zu sitzen und lauter neue Gipfel um uns herum bestaunen zu dürfen.

 

Dass die Abfahrt mehr spektakulär als genussvoll ist, nun ja, das schmälert trotzdem keinesfalls das Skitourenerlebnis des heutigen Tages. Und weiter unten wartet dann ja noch dieser perfekte Frühjahrssulz mit der Achterbahn zum Schluss durch den lichten Lärchenbestand....

 

 

 

 

Mont Dolent, Südanstieg von La Fouly

Zur Draufgabe noch ordentlich viele Höhenmeter. Nur zögerlich kann ich mich dazu entscheiden, diese Tour am Montag noch anzugehen. Bis Mittag soll es noch wolkenlos sein, danach die Wolkendecke überschwappen. Hmmm, ja, nein, jain, vielleicht? Okay, wir versuchen es. Start ist um 6Uhr in La Fouly.

 

Mit gebuckelten Ski geht es für 15min Richtung Combe des Fonds. Einer gewaltigen Schlucht mit schiefrigen Aussenwänden. Dann lassen sich bereits die Ski montieren und auf der gefrorenen Schneedecke steigen wir mehr oder weniger in einem Rutsch bis zum Petit Col Ferret auf, wo wir für die Querung sicherheitshalber die Harscheisen montieren. Eigentlich ist es überall strahlend blau, nur hier oben hängt eine fette Wolkendecke, es windet stark und wir stecken im Nebel. 

 

Zum Glück gibt es unzählige Abfahrtsspuren und wir nehmen die Verfolgung auf. Auf Höhe des Biv. Fiorio verliere ich langsam meinem Optimismus, noch immer stecken wir im Nebel, es ist kalt und grausig. Hätten wir doch besser wieder ins Val d'Arpette gehen sollen...Aber aufgeben? Nein, noch nicht, irgendwann spitzelt dann doch mal wieder ein Sonnenstrahl durch ein Wolkenloch hindurch und wir fassen neuen Mut weiter zu gehen. Auf 2900m dann endlich der Durchbruch. Juhu, blauer Himmel, überall, yes, und das Wolkenmeer alsdann zu Füssen.

 

Wir steigen immer weiter auf guter Spur, so dass bis zum letzten steilen Aufschwung, den wir über rechts passieren, keine Harscheisen benötigen, auch wenn der Schnee zum Teil doch recht eisig ist. Beim Col dann Skidepot für mich, Harald trägt mal wieder gerne die Ski mit, und umsatteln auf Steigeisen und Pickel. In griffiger Spur geht es spielend leicht hinauf bis zur Himmelsleiter, welche in wenigen Metern hinüberführt zur Madonna und dem höchsten Punkt des Mont Dolent.

 

Wow, ich staune, mir bleibt der Mund offen. Es ist frisch und ein Lüfterl weht, doch das stört mich in diesem Moment kaum. Wie versteinert und erstarrt stehe ich dort oben mit Harry, wir haben den Gipfel für uns alleine. Die Aussicht ist schier überwältigend. Freiheit? Ja , dieses Gefühl empfinde ich genau in diesem Augenblick. Ein weiterer flotter "vonunten"-Geher stösst zu uns herauf. Erst als eine geführte Gruppe im Anmarsch ist, machen wir uns an den Abstieg und die endlosen Firnhänge hinab nach La Fouly, bis die Oberschenkel brennen...

 

Tal-Gipfel: 4h20min, 2260Hm

Gesamt: 20km, 6h30min

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Sa

01

Apr

2017

Skitouren im Valle Maira

Einmal Valle Maira. Immer Valle Maira.

 

Wir sind nicht die Ersten, die es zum wiederholten Male in das abgeschiedene, piemonteser Grenztal zu Frankreich verschlägt. Beim Austausch mit den anderen wenigen Skitourengästen des Tales kristallisiert sich glasklar schnell heraus, was den Reiz des hinteren Valle Maira ausmacht und warum die weite Anreise nicht nur einmal in Kauf genommen wird: die Unberührtheit.

 

Keine Hotelburgen, keine Liftanlagen, keine Verbauungen, keine Stromleitungen, die das Landschaftsbild beeinträchtigen könnten. Hier sagen sich Fuchs und Hase noch Gute Nacht. Dem urigen Stile des Tales nach sind viele Häuser weitesgehend restauriert und renoviert worden, Steinbauten mit viel Charme und Liebe zum Detail sind entstanden, die 500 Betten auf 40km verteilt beherbergen.

 

Manuela und ihre Mutter bekochen uns täglich mit selbstgemachten Speisen auf Haubenküchenniveau. Für die Energieversorgung ist also bestens gesorgt und die gute Küche in der Locanda "le Mistral" in Ponte Maira ist sicherlich auch mit ein Grund, warum wir bereits zum zweiten Mal für eine Woche dort sind. Renato, Bergführer und Servierkraft in einem, hält täglich die perfekte Tourenidee für uns bereit. Im Mistral fühlst du dich nicht nur willkommen, hier wird Gastfreundschaft gelebt.

 

Unberührtheit. Ein Landschaftsbild, das es in dieser Form kaum noch in den klassischen Tourengebieten anzutreffen gibt. Skitouren in seiner Reinform. Jeden Tag einen neuen Gipfel anspuren, weit und breit keine Skispuren zu sehen. Stille und viel Natur gibt es zu bestaunen, auf sich wirken zu lassen. Die innere Ruhe und Ausgeglichenheit stellt sich schnell ein. Es kommt kein Stress auf, Stress, weil die unverspurten Hänge bereits im Morgengrauen von einer Horde wilder Powdergeier zerpflügt werden wie an den Modebergen der Alpen. Du hast freie Wahl, kannst die sicherste Linie wählen, denn die weissen Hänge sind auch noch nach Tagen des letzten Schneefalles unverspurt.

 

Irgendwie surreal. Auf der einen Seite der Alpen trampeln sich die Skitourengeher respektlos über die Füsse, auf der anderen Seite freut man sich über jedes Gesicht, weil man die Freude über diese sagenhafte Unberührtheit gerne teilen möchte. Man tauscht "Geheimtipps" aus, steht mit Rat und Tat zur Seite, wenn am Nachmittag bei Tagliatelle und Vino auf der Sonnenterrasse über Verhältnisse und Erlebtes munter geplaudert wird. Urlaubsstimmung. Après-Ski der anderen Art.

 

 

Skitouren:

 

  • Bric Boscasso

Im wilden Schneegestöber ziehen wir unsere Spuren durch den tief verschneiten lichten Lärchenwald. Märchenhaft. Und das im April! Bis zum Gipfel schaffen wir es heute nicht, nach der Waldgrenze ist whiteout angesagt. Dafür lockt das Rifugio Vivere mit Kaminfeuer und Cappuccino

 

  • Bric Cassin (SE-Gipfel)

Stufe 4 ist nach dem gestrigen Schneefall angesagt, Gut 40-60cm hat es geschneit, der Bric Cassin bietet für diese Verhältnisse den optimalen Anlass, Powder und eine sichere Linie zu wählen. Wir sind nicht alleine unterwegs, unsere komplette Unterkunft versammelt sich heute zum "Familienausflug" am Bric Cassin. Die letzten Meter sind wir mit Spuren dran, die Abfahrt als erster im frischen Schnee unvergesslich.

 

  • Giro von Saretto. Cima delle Manse und Monte Soubeyran

Ein Tag, perfekter kann es nicht werden. Nur wir 4 für den Rest des Tages, dabei abwechslungsreiche, beeindruckende Landschaften, Schneequalitäten jeglicher Güte und vieeel Sonnenschein. Eine ausgedehnte Runde mit einigen Höhenmetern und Wegstrecke.

 

  • Whiteout

Es ist neblig und nieselt leicht daraus. Für den Nachmittag sind weitere Schneefälle und Regen im Tal gemeldet. Wir folgen für 600Hm Renatos Spur Richtung Col d'Enchiausa, ohne Sicht und mit 100% Luftfeutigkeit macht es schlichtweg keinen Sinn noch weiter zu gehen. Im Rifugio Vivere treffen wir auf eine grosse Gruppe Salzburger Skitourengeher. Bei Cappuccino und Kuchen wird viel gelacht und gewitzelt.

 

  • Monte Bellino und Monte Albrage

Gut 15cm Neuschnee. Strahlend sonniger Tag. Mit Schneeketten führt uns Hans-Peter die eingeschneite Strasse zum Ausgangspunkt auf 1900m hinauf. Wir spuren hinein ins weitläufige Tal und die sanften Hänge hinauf zum Bellino. Grossartig. Weil die Abfahrt uns so überzeugte und nebenan auf den Albrage schon eine Spur führt, fellen wir ein zweites Mal an. Das Päarchen vor uns hat nicht bis zum höchsten Punkt gespurt, umso ein schöneres Gefühl für uns auch diesen Gipfel heute noch unverspurt vorzufinden. Die Westhänge warten mit Traumpulver. Unvergesslich.

 

  • Monte Oronaye Süd- und Nordcouloir

Moni und Hanspeter sind abgereist, Harry und und ich wollen uns am Oronaye versuchen, einem markanten dolomitenähnlichen Berg mit vielen Steilrinnen. Die Nordrinne (400m, bis zu 50Grad steil) soll es heute werden. Wir steigen über die linke Südflanke auf, die später in ein steiles Couloir mündet. Bester Trittfirn, ideale Aufstiegsverhältnisse mit den Ski am Buckel und Steigeisen an den Füssen. Den Gipfel erreichen wir leider nicht, der Aufstieg ist uns nicht ganz klar, mehrere Stellen scheinen uns zu schwierig als dass sie für den Aufstieg dienlich sein könnten. Daher starten wir ohne Gipfel in das Nordcouloir, welches noch unverspurt und mit bestem Powder gefüllt war. Steil, geil und eindrücklich. so etwas steiles bin ich noch nie gefahren...

 

  • Punta le Teste, Nordcouloir

Ein weiterer steiler Leckerbissen. DIE Linie im Tal. Vom Auto weg praktisch 1000Höhenmeter in einem Rutsch nach oben. Zunächst in einem breiten Kar, später immer enger werdend verzweigt sich das Couloir, die linke Linie führt bis zum Gipfel hinauf. Unglaublioch, aber wahr, auch hier finden wir in der oberen Hälfte noch besten, unverspurten Pulverschnee. Geil.

 

  • Monte Sautron über Forcellina

Zum Abschluss der Tourenwoche noch einen 3000er. Ein Skitourenberg, der uns nochmals fordert. Wieder gibt es keine Spuren, keine Leute unterwegs und das an einem sonnigen Sonntag! Die Skitourensaison neigt sich dem Ende zu im Valle Maira, von Tag zu Tag lässt sich nun sehen, wie die Tragestrecken länger werden und die Hänge früher aufsulzen. Ein würdiger Gipfel entlässt uns mit einem Lächeln auf den Lippen. Valle Maira wir kommen wieder.

 

 

 

Unterkunft: 

Locanda Mistral: http://www.damistral.it/de/

 

Blogbericht vom letzten Jahr: https://www.gesundes-wandern.com/2016/03/26/skitouren-im-piemont-valle-maira/

 

 

Bric Boscasso und Bric Cassin

 

Cima delle Manse und Monte Soubeyran

 

Monte Albrage und Monte Bellino

 

Monte Oronaye Süd- und Nordcouloir

 

Punta le Teste Nordcouloir

 

Monte Sautron über Forcellina

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Sa

25

Mär

2017

Sportklettern in Leonidio

Ich war ja bereits vor gut 2 Jahren in Leonidio, einem kleinen, authentischen griechischen Dörfchen auf der Peloponnes-Halbinsel. Damals wurde es gross gehyped, unendliche Klettermöglichkeiten prophezeit und als neues Kalymnos angepriesen. Mit viel zu grossen Erwartungen und der damit zwangsläufig verbundenen Enttäuschung lernten wir Leonidio zwar als nette Ecke zum Klettern kennen, doch so wirklich überzeugen konnte es uns damals nicht.

 

Viel hat sich getan in der Zwischenzeit, ein kompletter Kletterführer nur für Leonidio ist entstanden, der 1000 Routen listet. Ein Kletterercafé, welches Dreh- und Angelpunkt darstellt, aus dem Boden gestampft. Viele viele neue Routen eingebohrt, mit guter Absicherung und super Wegmarkierung und Beschilderung zum Klettergebiet selbst. Unter den neuen Sektoren sind richtige Highlights zu finden, so wie der Sektor Mars. Was ebenfalls begeistert, das Routenangebot in den mittleren Schwierigkeitsgraden hat merklich zugenommen. Damals gab es entweder nur leichte oder nur schwierige Routen, jetzt finden sich auch viele Perlen zwischen 6b und 7b.

 

Trotz merklich steigender Anzahl an Klettertouristen, was noch immer geblieben ist, ist die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der einheimischen Bevölkerung. Du fühlst dich dort einfach willkommen und das trägt doch sehr zum Urlaubsfeeling bei. Schön, wenn dies so bleibt!

 

Besonders für die Wintermonate eignet sich Leonidio mit seinen unzähligen, sehr sonnenexponierten Wänden. Jetzt Ende März war es bei uns mit 15-20Grad perfekt, es kann allerdings aber auch wärmer zu dieser Jahreszeit sein. Viel Schattenangebot gibt es nicht, dies solltet ihr in eure Planung miteinbeziehen.

 

Bereits vor 2 Jahren waren wir von der Unterkunft Agroktima begeistert, die wir gerne ein weiteres Mal empfehlen möchten. Wer Wert auf ein gutes Frühstück auf dem sonnenverwöhnten Balkon legt, ist dort genau richtig. Jeden Morgen gegen 8:15 hängt draussen vor der Tür ein Korb gefüllt mit frischen Leckereien und Orangen aus dem eigenen Garten. Dazu wohnt man angenehm in einem kleinen Steinhäuschen und hat seine Ruhe. Ihr bekommt in der Agroktima Unterkunft auch den neuen Kletterführer von Leonidio sowie den von Griechenland zum Leihen/Kaufen.

 

 

Weitere Info:

 

  • Mietauto am besten direkt am Athener Flughafen besorgen und die 3h nach Leonidio tuckern. Vor Ort brauch es unbedingt ein Auto, wenn man sich nicht nur auf die (wenigen) Gebiete rund um den Ort beschränken möchte
  • Das beste Restaurant ist nach wie vor das am Eingang von Poulithra links am Meer. Aber auch in den anderen Tavernen gibts gute griechische bzw. italienische Küche zu günstigen Preisen.
  • Geldautomat, Tankstellen, Apotheke, Supermarkt, etc. findet sich alles im Ort
  • Blogbericht von vor 2 Jahren: https://www.gesundes-wandern.com/2014/11/23/sportklettern-in-leonidio/
  • sehr empfehlenswerte neue Sektoren: Mars, Theos, Skiadhianiko und natürlich die alt bewährten: Twin Caves, Hot Rock, Hada
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gesundes-wandern.com

Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

info@gesundes-wandern.com