kleiner Bockmattliturm Westwand: Element of Slime

Letztes Jahr bin ich an der Westwand des kleinen Bockmattliturmes die sehr empfehlenswerte Echo der Zeit von Marcel Dettling geklettert. Dabei fiel mir bereits die überaus gute Felsqualität im oberen, steilen Teil der Wand positiv auf. Ein Blick auf das Topo verriet, dass da noch einige Perlen schlummern könnten, allerdings war nicht so viel Info zu bekommen. Touren aus den 80er Jahren.

 

Durch Zufall bin ich dann auf die Element of Slime gestolpert. Die obersten 2 Seillängen existierten also schon seit langem, die Bolts gehörten getauscht, Marcel hat sich dieser Aufgabe angenommen und 4 weitere Seillängen in Falllinie erschlossen, so dass nun eine interessante alpine Sportkletterroute mit homogenen Schwierigkeiten daraus entstanden ist. Den Link zur Geschichte der Erschliessung von Marcel findet ihr am Schluss des Artikels.

 

Der Bockmattlifels an der Westwand des kleinen Bockmattliturmes ist schön kompakt, mit typischer Bockmattlikletterei, was heissen will, ein ständiger Wechsel aus athletischer Kletterei zwischen Schuppengriffen und feiner Steh- und Präzisionsarbeit über die kompakten Partien ist gefordert. Untergriffe, Seitgriffe, dann mal wieder anreissen zwischen 2 weit entfernten Henkeln. Die Absicherung ist sehr gelungen, die Bolts immer gut zu klippen, auch wenn anhaltend zwischen den Bohrhaken geklettert werden muss. Also keine Klettergartenabsicherung, aber sehr fair.

 

Lediglich der Auftakt nach der ersten Eingewöhnungsseillänge, also der Start der ersten 6c+ Seillänge = 2.SL, erfordert etwas psychisches Engagement. Der 2. Bohrhaken möchte ehrlich angeklettert werden, was im völlig unaufgewärmten (physisch wie psychisch) Zustand für mich zur Herausforderung wurde. Beim dritten Anlauf dann gab ich mir einen Ruck und stieg auf den Tritt, wo vorher die Hände waren, der Klip dann recht wackelig. Und die nachfolgenden Meter anhaltend schwierig, auch wenn sich alles auflöst. Eine ziemlich fordernde Auftaktlänge, jedenfalls weiss man danach, wo man dran ist in der Tour;-)

 

Die 3. SL klappt dann auf Anhieb, eine abdrängende seichte Verschneidung, Etwas mehr eine Zubringerseillänge zum oberen fantastisch steilen Aufbau der Westwand.

Etwas Verwirrung stiftete dann der Ausstieg der super langen L4. Rechts zum Stand des Westwändli oder links zum Stand mit Muniring? Prompt entschied ich mich für die falsche Variante, nämlich links. Es folgte für uns eine tolle athletische Seillänge, die wiederum zum Stand der L5 der Element of Slime hinüber führt. Auch danach darf man sich nicht beirren lassen. Die Element folgt kerzengerade hinauf, links der Boltquergang gehört zur Westkante. Die fette Sanduhr zum Fädeln am Start sollte nicht zu übersehen sein und ist gutes Indiz dafür auf der richtigen Route unterwegs zu sein;-)

 

Tolle Kletterei folgt, allerdings vermiest mir eine knifflige Stelle den Durchstieg. Eine Henkelschuppe will erreicht werden, an die ich partout nicht herankomme und auch der kurze Überhang erfordert beherztes Zupacken, Ansteigen und Durchziehen, aber erlebt es selbst...mit dem letzten Hemd erreiche ich den exponierten Stand, von dem über die Route abgeseilt werden kann. Wir aber setzen den Aufstieg in leichterem Gelände fort, nach 50m erreicht man den gemeinsamen Stand vom Westwändli, Echo der Zeit,..., oder nach gut 60m ganz oben auf dem Gupf folgt noch eine aufgebohrte Sanduhr mit gefädelter Schlinge zum Nachholen des Partners, wenn am unteren Stand mal wieder Andrang herrschen sollte.

 

Mit dem Klingeln der Kuhglocken im Ohr und dem Surren der Bienchen geniessen wir für einen Moment den Ausblick vom flachen Wiesengipfel. Das liebliche Gebiet steht so im krassen Gegensatz zu der fordernden Kletterei, die wir in den vergangenen 4 Stunden erleben durften. Das macht das Bockmattli vielleicht auch so speziell, so speziell schön. Erstklassiger Fels immer mit Blick auf den Zürisee und das Flachland, eingebettet in eine klassische Voralpenlandschaft mit Almbetrieb. Und doch wird der Kletterer gefordert, Ausspannen ist höchstens kurz am Stand möglich.

 

Für einen Rotpunktdurchstieg muss ich wohl wieder anrücken, aber was heisst da "müssen": "dürfen" wäre der bessere Ausdruck!!!

 

Infos zur Erstbegehung von Marcel unter:

http://mdettling.blogspot.ch/2015/09/bockmattli-element-of-slime-6c-7-sl.html

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gesundes-wandern.com

Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

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