Fleckistock gesamter SW-Grat

Der Fleckistock mit seinen 3417m Höhe wird nur noch vom nahen, aber auf der anderen Talseite liegenden Sustenhorn überragt. Ein mächtiger, felsiger Berg, der in alle Himmelsrichtungen Grate und Rippen entsendet. Seitdem es den massiven Felssturz am Südgrat gegeben hat, der den eh schon recht unwegsamen Aufstieg zur nördlichen Fluelücke unter sich begraben hat, kann der Fleckistock nur noch über die SW-Flanke, welche normalerweise als Abstieg dient und in den Südgrat mündet, bestiegen werden. Oder als Traversierung vom Stucklistock her.

 

Ich entschied mich daher für den Aufstieg für den kompletten SW-Grat, der direkt, bevor der blau-weisse Panoramaweg abfällt, beginnt. Eigentlich ist es mehr eine Art Rippe mit vielen kleinen Gendarmen, die eher brüchig und mit vielen Flechten überzogen von 2 grossen Blockfeldern links und rechts begrenzt wird. Der letzte grosse Gendarm, P2837, leitet sodann in den eigentlichen SW-Grat, der wiederum eher eine grosse Schuttflanke ist. Ab hier leiten Steinmänner den Weg durch das Labyrinth. Dieser erste Teil ist nicht sonderlich ergiebig, ich überklettere mehr oder weniger alle Gendarmen (3a), manchmal weiche ich etwas in die Flanken aus.

 

Ab P3251 mündet der Anstieg in den Südgrat, die Felsqualität steigt und ich turne genüsslich oben am Grat entlang. Schön griffig, manchmal aber auch wieder bruchdurchzogen, suche ich mir den besten Anstiegsweg über den Grat. Der mit Steinmännern markierte Aufstieg folgt nicht dem Grat, sondern umgeht diesen in der Westflanke. Für den Abstieg von Vorteil, denn der Grat zieht sich ziemlich in die Länge. 

 

Kurz unterm Gipfel wartet dann die Schlüsselstelle, ein kleiner Wandaufschwung mit bestem, griffigen Gestein, welcher mit einem Seil entschärft wurde. Frei geklettert aber nicht schwieriger als 3a. Davor muss momentan noch ein 10m langes Schneefeld gequert werden, welches nach Osten hin als Wechte abbricht. Bei den heutigen heissen Temperaturen kein Problem, ich sinke mit den Trailschuhen bis zum Knie ein und habe somit festen Stand bei jedem Tritt, denn ausrutschen ist hier definitiv tabu!

 

Ein riessiger Gipfelsteinmann ziiert den höchsten Punkt, in ihm das Gipfelbuch versteckt. Der Fleckistock bekommt schon immer mal wieder Besuch, überlaufen ist er aber bei weitem nicht! Die Aussicht? Phänomenal, so wie es sich für einen hohen Berg, der die Region dominiert, gehört. 

 

Im Abstieg wähle ich dann die Traversierung in der Westflanke um die Gratkraxelei zu umgehen. Im Abstieg ist der mit Steinmännern übersähte Pfad auch wirklich gut auszumachen. Die Konzentration darf allerdings noch nicht abreissen, der viele Schutt und brüchige Fels will gut gescanned werden. Noch zu erwähnen ist, dass ab dem Ende des SW-Grates, kein richtiger Abstiegsweg durch die SW-Flanke leitet. Man stösst zwar auf Fussspuren, aber im Endeffekt bleibt einem nichts anderes übrig als durch die geröllige Schuttflanke hinabzusurfen. Erst im unteren Teil trifft man dann auf den alten Pfad zur Fluelücke, welcher wiederum mit Steinmännern markiert und einigermassen ausgetreten ist.

 

Auf der Voralphütte lösche ich meinen Brand mit einem eisgekülten Most. So gut! 

Facts:

  • 2000Hm und 18km, Kraxelei bis 3a
  • Start bei der Voralpkurve im Göschenertal, Verpflegungsposten Voralphütte
  • letzte Wasserstelle auf dem blau-weissen Weg nach der Voralphütte (ca.2360m)
  • viel Schutt und Geröll, oft brüchiger Fels, Wegfindung aber nicht sonderlich schwierig

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Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

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