Cheselenfluh - Flaschengeist

Alpines Sportklettern am Monte Brento des Melchtals: die imposante Ostwand der Cheselenfluh


Der Zustieg ist schweisstreibend, nicht zuletzt, da er ab dem Klettergarten Stöckalp weglos in steilem Schotter und Grashängen hinaufzieht. Doch die Schweisstropfen sind es wert, dort oben wartet im rechten, gemässigteren Teil der fast schon bigwallartigen Wand eine super Sportkletterei in bestem Fels. 5 Seillängen, die furios mit einem ansteigenden Quergang ziemlich pumpig beginnen. Der Fels ist mega rauh, die Reibung ein Hit. Doch die unzähligen cheselenfluhtypischen "Henkel/Aufleger-Blocker" plätten enorm und ich bin froh, als ich den soliden Kettenstand erreiche. Eigentlich ist es immer das gleiche Spiel: blocken - Schultermove (teilweise mantleartig) - Henkel/guter Aufleger/gute Leiste - rasten und das Spiel beginnt von vorne. Die Wand hängt sicher 5m über auf der ersten Seillänge, athletische, technisch einfache Kletterei, Ausdauer ist gefragt. 


Die zweite Länge ist dann gleich die schönste. Wandkletterei an Leisten und Kanten mit Pieckseln und ultra Reibung. Genial, wie sich alles auflöst. Dabei immer mit bester Absicherung, 16 Express!


Nun wechselt der Charakter, balancy moves an Brokkolifels, das Gespür für den Körperschwerpunkt wird abgefragt, kraftlos lässt es sich höher steigen, bevor ein alpiner Ausstieg die letzten 5m zum 3. Standplatz "versüsst". Das Ambiente in der Wand ist gewaltig, die Dimension der Ostwand spürbar. Immer wieder schweifen meine Blicke am Standplatz in die riessige, mit Dächern und Überhängen gespickte Wandflucht und ich frage mich, warum es hier nicht mehr Sportklettermehrseillängen gibt?!?


Die Schwierigkeiten nehmen nach oben hin ab, zumindest laut Topo. Doch auch die 4. Seillänge ist ganz und gar nicht banal. Zuerst etwas querend an die Kante, dann gerade hinauf im immer noch steilen Fels an Leisten und Schlitzen. Eine gewisse Exposition wird spürbar, aber der Fokus ist nach vorne gerichtet, die beste Lösung suchend für die Kombination an Leistchen und Känntchen, die sich in die Haut bohren.


Noch immer im onsight-Modus, nur nichts mehr verschenken, die letzte Länge steht an. Deutlich leichter nach oben hinaus, aber auch die Absicherung wird teilweise etwas weiter und der Fels unabgekletterter bzw. mit einer Schicht überzogen. Zum Glück folgt Henkel auf Henkel, wenn auch der Start nochmals tricky ist.


In 3x abseilen (mit 2x60m) erreichen wir problemlos in kurzer Zeit den wohltuenden Boden. Beim Abseilen wird die Steilheit der Wand voll ausgekostet, etwas pendeln wird verlangt.


Fazit: Tolle Tour in bestem Fels und imposanter Wand bei super Absicherung. Und ehrlich gesagt, mir haben die 5 Längen völlig ausgereicht...

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Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

info@gesundes-wandern.com