Niedermann an der Grauen Wand

Mit Superlativen sollte man ja eher sparsam umgehen, aber die Niedermann an der Grauen Wand oberhalb der Albert-Heim-Hütte gehört sicherlich zu den Klassikern, die man nicht nur wegen der Aufnahme in Walter Pause's "im extremen Fels" zu wiederholen hat, sondern weil sie Genusskletterei par excellence bietet. Der Furka-Granit ist dort mega rauh, die Reibungssohlen kleben einfach überall fest, die Route ist immer logisch, griffig und mit einzigartigen Seillängen bestückt. Ein Meisterwerk in der riessigen Granitwand, die von scharfen Türmen, Zacken und rissdurchzogenen Plattenfluchten ringsum eingebettet wird. 


Auf der ersten Seillänge noch eher spartanisch saniert (lediglich 2 Bolts, es gibt aber genügend "bomberproof placements"), gesellen sich in den folgenden Seillängen einige Bolts (4-5) pro Seillänge zu ganz wenig anzutreffenden Schlaghaken. Die Kletterei ist immer fantastisch, wenn auch teils ungewohnt in den kaminartigen Verschneidungen und Körperrissen, aber immer wohlwollend und auflösend. Wer den Schwierigkeitsgrad drauf hat, brauch sich nicht sonderlich viel um zusätzliche Absicherung kümmern und kann unbeschwert die 11 traumhaften Seillängen in vollen Zügen geniessen.


Das Prachtsexemplar ist sicherlich die Schuppenseillänge nach dem Grasintermezzo. Irgendwie etwas exponiert, aber doch mit Henkeln übersäht und einfach originell, mit Spreizschritt und kleinem Quergang/Abklettern bis zum Stand um die Ecke. Und irgendwie auch schwerer, als der Schwierigkeitsgrad den Anschein erwecken würde, oder zumindest ist die Kletterei mal wieder so ungewohnt, alpin eben.


Leider hatten wir beim Abseilen fast einen Totalausfall, klassischer Seilverhänger, der einfach nicht aufzulösen war. Zum Glück hing in der Nähe ein vertrauenswürdiges Fixseil, dass zum Hinaufprusiken verwendet werden konnte. Dass die Aktion mir mein letztes Quäntchen Kraft geraubt hat, versteht sich von selbst. Zum Glück blieben die Gewitter diesmal vom Furka fern und die zeitraubende Aktion somit zwar mühsam, aber nicht gefährlich. Das Schneefeld im Abstieg hatte sicher auch schon mal bessere Zeiten gesehen, doch mit einem 50m-Abseiler liess es sich recht gut austricksen.


Nach diesem rundum erlebnisreichen und grenzgenialen Tagl mussten wir dann doch noch unsere knurrenden Mägen beim Kreisverkehr in Flüelen stillen, Fast Food à la Burger King kann schon was, wenn man nur noch erschöpft, müde und mega hungrig ist, der perfekte Abschluss eben.

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Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

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