Rorspitzli

Und wieder lockt das Meiental, genauer gesagt das Rorspitzli. Hochgelobt im zentralschweizer Alpen Skitourenführer als eine der schönsten Abfahrten der Zentralschweiz, mussten wir uns spätestens heute an ihm versuchen. Denn die Chance bestand nicht schlecht wegen dem Neuschnee vom Wochenende, guten Powder vorzufinden. 5-15, lokal auch bis 20cm, davon sprach der Wetterbericht, beim Start in Meien allerdings verflog die erste Euphorie. Trocken. Bereits drei kleine apere Stellen zieren den ersten Anstieg auf dem Karrenweg.


Der steile Aufstieg aus dem Kartigel-Kessel gestaltete sich mühsam, da in der breiteren Rinne knotteliger Lawinenschnee lag und auf dem Rücken rechts davon die vielen Abfahrtsspuren die Aufstiegsspur nicht einfacher werden liess. Bei Ober Brunni erwartet uns dann endlich Sonne, zwar trieb es uns mächtig Schweiss ins Gesicht beim Kartigelanstieg, doch die frostigen Temperaturen vermochten kaum die Körperwärme zu erhalten.


Tiefblau blitzt es um den Fleckistock, der umso markanter durch den Neuschnee uns beim gesamten Anstieg begleitet. Unser Rorspitzli ist noch unberührt, nur zur nördlichen Flüelücke leitet bereits eine Spur. Christoph macht sich an die Arbeit ab Punkt 2309 und spurt entlang der Moräne zum Kartigelfirn. Mittlerweile sind ein paar cm Schnee hinzugekommen, allerdings windbehandelt mit leichtem Deckel. Schön ist es mal wieder Verantwortung zu übernehmen, einen eigenen Weg zu wählen, sich Gedanken über die optimale Spuranlage zu machen. Und irgendwie auch kreativ eine gekonnte Skitour geländeangepasst zu hinterlassen.


Mit den kleinen Wettkampfski kümmert sich Christoph ums Grobe, mit meinen Powderlatten bereite ich den Feinschliff zu. Die 3 Tourengeher, die wir zu Anfang überholt haben, sollen schliesslich eine angenehme "Autobahn" vorfinden;-)


Problemlos erreichen wir den Grat, ziehen Steigeisen an und stapfen durch die felsdurchsetzte, schattige Flanke des Rorspitzlis bis zum höchsten Punkt. Phänomenale Aussicht, wie immer auf einem 3000er. Doch heute irgendwie umso schöner mit der Wolkendecke im Süden, die einige höhere Gipfel herauslugen lässt. 


Das der Abfahrtsspass sich im oberen Teil zurückhaltend gibt, war bereits abzuschätzen. Der Winddeckel beutelt uns hin und her, staucht zusammen, dann schmeisst er einen wieder in Rücklage. Über die B-Note wollen wir heute lieber still schweigen. Dafür versöhnt uns der Mittelteil mit angenehmen 10cm. Und verleitet uns zu weit nach links im Abfahrtssinne. Eine Felsbarriere können wir nicht passieren, rauftretteln ist nochmals angesagt.


Und auch im unteren Teil war unser Abfahrtsgespür für heute auf Urlaub, wir entscheiden uns prompt für die blödeste Abfahrtsvariante zu weit rechts. Steil, ruppig, mit Staudenbüschen und Felsen gespickt und alten, bockharten Lawinenbahnen durften die Oberschenkel ein letztes Mal arbeiten, bevor feiner Sulz uns bis in den Talboden getragen hat.


Obligatorische Einkehr im Bäsebeizli und blättern im Tourenbuch...Immer wieder schön beim Auffinden alter Einträge in tollen Erinnerungen zu schweben...

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Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

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