Skitour Gross Ruchen

Der Gross Ruchen. Ein bedrückendes Monstrum von der Nordseite aus gesehen, von der Ostseite her, wo der zweite Anstiegsteil erfolgt, eher unspektakulär oder besser gesagt gewöhnlich. Die tief eingeschnittene Ruchen Chälen eröffnet dem Tourengeher die einzige Möglichkeit, sich dem Gross Ruchen von Norden durch das lange Brunnital zu nähern. Dabei ist auch dieser Anstieg nicht ohne, fast 1000 schattige Höhenmeter, die sich nach oben hin ziemlich aufsteilen, eingekesselt in die beeindruckende Nordwand und den Westgratausläufern des Chli Ruchen. Erst beim Ausstieg in die Sonne am Ende der Chälen wird einem die Dimension bewusst. Der Tiefblick hinab in den Talgrund ist gigantisch und wir beginnen erst jetzt die Steilheit zu registrieren.


Nach 3 Stunden endlich die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren beflügelt. Die Müdigkeit der Beine vom gestrigen Ausflug verschwindet. Eine ausgiebige Rast steht auf dem Programm und wir mampfen genüsslich unsere Jause, bevor wir unseren Aufstieg fortsetzen. Wir sind heute die Ersten, 2 weitere Truppen befinden sich noch in der Chälen. Über den Ruchenfirn geht es in angenehmer Steilheit weiter, immer wieder muss ich stehenbleiben um das Panorama fotografisch festzuhalten. Besonders der Gross Düssi hats mir angetan, ein formschöner Berg, pyramidenartig, ein mächtiger Kegel.


Kühler Nordwind empfängt uns auf den letzten 400Hm, gigantische Windgangeln sind Zeugen, dass hier oben der Wind stark gewütet haben muss. Immer steiler wird die Gipfelflanke, mühsam rammen wir Ski vor Ski ein, um nicht abzurutschen. Schliesslich erreichen wir den letzten Aufschwung, der nur noch zu Fuss zurückgelegt werden kann. Pickel raus, Felle ab und los gehts. Tiefe Spuren erleichtern den Anstieg, allerdings stellt sich eine kleine Felspassage in die Autobahn. Doch mit etwas Vorsicht bewältigen wir auch diese ohne weitere Ausrüstung und erreichen bald darauf die Gipfelschneide. Wie eine Himmelsleiter führt sie uns zum höchsten Punkt. 


Ich dachte schon, die Aussicht vom gestrigen Uri Rotstock sei überwältigend, doch was sich vor uns heute ausbreitet, dafür finde ich kaum Worte. Wir klatschen ab, drehen uns abermals im Kreis um das Panorama aufzusaugen. In der Ferne das Monte Rosa Massiv und markanten Walliser 4000er, dort drüben Finsteraarhorn und Co., Oberalpstock, Düssi, Tödi und tief unter uns das Brunnital, aus dessen Ende die steile Ruch Chälen emporzieht. Sie kommt uns in diesem Augenblick unwirklich steil vor, was wohl durch das Licht-Schattenspiel begünstigt wird. In der Nachbarschaft wartet der Gross Windgällen, ein ebenso markanter Geselle wie der Gross Ruchen.


Für den Abstieg montieren wir dann doch die Steigeisen, mittlerweile treffen wir auch auf die anderen Gipfelaspiranten, ein paar Worte werden getauscht. Die Freude steht jedem ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder, der Gross Ruchen ist doch ein konditionsfordernder Berg und die Aussicht einfach nur überragend! Dass dann der erste Teil der Chälen abfahrtstechnisch uns nicht besonders toll aussehen liess, lässt sich verkraften, dafür brillierten wir im immer noch pulvrigen Gelände weiter unten, wo Pillows und lichte Bäumchen ein verspieltes Gelände bieten.


Ein letzter Blick zurück beim Panache in Unterschächen, unglaublich, dass wir vor noch nicht all zu langer Zeit dort oben, ganz hinten, gestanden sind!



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Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

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