Cogne Eisklettern

Routen, welche wir kletterten:

  • Sentiero del Troll, 350m
  • Patri Classic left and right, 250m
  • Lillaz Gully, 200m
  • Tutto Relativo, 150m
  • Monday Money, 180m
  • Candelabro del Coyote, 100m
  • Thoule, 100m
  • Sentinel Ice, 90m
  • Drytooling/Mixed im Gartl am Bach zwischen Lillaz und Cogne

 

Cogne, das Eisklettermekka im Aosta, südlichöstlich vom Mont Blanc

 

Endlich sind wir hier, Tito hatte uns so lange bereits davon vorgeschwärmt. Vielversprechend startet unser 10 tägiger Eiskletterurlaub, seit 3 Wochen hat es nicht mehr geschneit, alle Südhänge sind bis auf fast 3000m aper und auch in den anderen Expositionen strahlt uns blauweisses Eis ohne lästige Schneehaube entgegen. Angenehme Temperaturen begleiten uns bei unseren Touren, die Nullgradgrenze wird nur knapp unterschritten. 

 

Mir dämmerts, Eisklettern im Süden ist mehr Wellness als zach. 

 

Viele Meter spulen wir im "Sentiero del Troll", der perfekte Fall zum Einsteigen in die Saison. Gebohrte Standplätze, schöne softe Aufschwünge wechseln mit Stapfgelände, doch in Summe kommen 8 Seillängen zusammen, die erst mal geklettert und auch wieder abgeseilt werden müssen. Teilweise ist das Eis noch sehr dünn, Vorsaison eben. Aber mit der Sonne im Rücken purer Genuss!

 

In unserer Unterkunft, dem Hotel "la Barme" sind ebenfalls einige Eiskletterer vor Ort. Wir tauschen uns jeden Abend über die Verhältnisse aus, was steht schon, was könnte gehen, was sieht noch ziemlich instabil aus oder ist definitiv nicht machbar? Kostenlose Führerliteratur, Wlan und ein Logbuch, in das jeder seine Eintragungen über die vorgefundenen Verhältnisse macht, ergänzen die Annehmlichkeiten im Hotel, um Pläne für den kommenden Tag zu schmieden. Und die Sonne scheint sowieso immer im Aosta...

 

Einer der ganz grossen, gemässigten Klassiker im Valnontey ist "Patri". Wir nehmen ihn gleich am zweiten Tag in Angriff, da noch nicht allzuviel Betrieb herrscht. Und siehe da, es hat sich gelohnt. Insgesamt nur 3 Seilschaften, was verdammt wenig für den Patri ist. In der Hauptsaison tummeln sich dort an die 10 Seilschaften!!! Eine nette Aufwärmlänge mit äusserst dünnem Eis am Ausstieg leitet hinauf zum Amphitheater, wo sich rechts und links zwei formschöne Eisfälle über die steilen Felsen ergiessen. Der linke Breite verjüngt sich am Schluss zu einem einmaligen schmalen Gully, der vollgefüllt mit Softeis zwischen aalglatten Wänden zum Stand führt. Der Rechte formt eine fantastische Verschneidung, welche etwas tricky den steilsten Teil erleichtert. Inklusive Dusche natürlich.

 

Ein nicht minder besuchter Eisschlauch ist das "Lillaz Gully". Besonders unter den Schotten beliebt, bietet es einen tollen Einstieg ins leichte Mixedklettern. Wer die mühsamen Höhenmeter zum Einstieg erst mal hinter sich gebracht hat, darf ab nun geniessen. Schöne Meter im Eis, dann auspreizen in den Fels, hindurchwurschtln über schmale Stufen, zu guter Letzt beherzigt die Eisgeräte im breiten Riss versenken oder gekonnt von Wurzel zu Wurzel schwingen, um die dryen Meter zu überwinden. Normalerweise hat es hier Eis, bei uns aber entpuppt sich diese Länge als coole Mixedpassage, wo mobile Sicherungsmittel am Gurt meine Nerven etwas beruhigt hätten. Weiter oben dasselbe Spiel, das Eis verjüngt sich und leitet in eine tritt- und griffreiche, steile Verschneidung, welche mittels Stemmen leicht überwunden wird, nur ohne Eis, keine Sicherung. Wieder ist der Kopf gefordert, auch wenn das Gelände leicht ist.

 

So langsam gehen die Bewegungen flüssiger, die Placements für Schrauben und Eisgeräte lassen sich leichter finder. Die erste Säule steht auf der Tagesordnung. Dafür bietet sich "Tutto Relativo" an. Coole, steile Meter, kurz und mit einem einfachen Zustieg. Und wenn man als erste Seilschaft des Tages klettert, kann auch schon eine kurze Säule ordentlich pumpen. 

 

Schnee, was ist das? Doch tatsächlich, es schneit und schneit, den ganzen Tag. Die Therme Pré-Saint-Didier bietet uns den perfekten Spielplatz um solche Wetterkapriolen zu überstehen:-). Zwar teuer, aber man bekommt für sein Geld verdammt viel geboten!!!

 

Alpines Ambiente erwartet uns beim "Monday Money". Nach dem Schneefall nicht der beste Entscheid, dafür aber alleine, spuren wir hinauf zum Fall. Mühsam, anstrengend. Dann auch noch sprödes Eis mit der lästigen Schneeauflage. Bereits die erste Länge stoppt uns etwas. Eine zweite Seilschaft zieht nach. Wir lassen ihr den Vortritt, die folgende steile Länge einzupickeln. Nebenan der megasteile "Repentance Super", ein supergeniales Teil, doch noch nicht in guten Bedingungen. In der Ferne leuchtet der Gran Paradiso im weissen Kleid, ich fröstele heute zum ersten Mal. 180m können verdammt lang werden, wenn die Verhältnisse alles andere als perfekt sind. 

 

Drytoolen/Mixedklettern ist die bessere Option. Ohne Zustieg, nur der sportliche Aspekt, keine alpinen Gefahren. Ein wunderbares Platzl können wir am Bach ausfindig machen. Zwar haben die Bohrhaken bereits ein paar Jährchen auf dem Rücken und die Felsqualität macht den Drypart noch spannender als gewöhnlich, dafür wartet vor dem Ausstieg dickes Eis für die gepumpten Arme:-) 

 

Ein Tagl á la Cogne erleben wir am folgenden im "Candelabro del Coyote". Sonne pur, steiles, geiles Eis, Megahooks in der Säule und eine schnelle Abseilfahrt.

 

Wie nah Glück und Unglück allerdings zusammenliegen, wurde uns am letzten Klettertag nochmals deutlich vor Augen geführt. Im "Thoule" stürzen etwas oberhalb seitlich von uns mehrere Kubikmeter Eis in die Tiefe, ein ganzer Vorhang spitzer Dolche. Wenn ich den Standplatz nur etwas unterhalb gewählt hätte, oder wenn Harry sich doch für die verlockende Säule entschieden hätte, wir möchten nicht wissen, was dann passiert wäre...Harrys Rucksack am Einstieg hat es jedenfalls nicht überlebt. Dessen Alu-Innenleben war total demoliert. Und 5m neben mir lag ein Eisdolch, huiiiiii.....Rückzug. Schluss. Aus.

 

Der "Sentinel Ice" stach uns bei jedem Taleinwärtshatscher ins Auge. Nach vornachmittaglicher Besichtigung, stand er zum Abschluss auf unserer Liste. Die filigrane Säule im oberen Teil sollte machbar sein und der dünne untere Teil wohl auch. Nachdem bereits 2 Seilschaften ihn durchstiegen haben, sollte auch uns die schmächtige Säule noch tragen. Ein Psychoritt für Harry zum Abschluss, für mich nicht minder, der Carpenter-Effekt lässt grüssen.

 

In diesem Sinne, ICE is nICE and have a nICE day!!!

 

 

 

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Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

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