Grimsel Seeplatten und Azalee Beach

Wer glaubt 5c oder 6a klettern zu klettern, der soll sich an den aalglatten Grimselgletscherschliffplatten mal versuchen! Auch wir haben die Dinger brutal unterschätzt. Eine Art von Kletterei, die man schlichtweg nie antrifft, zumindest sind mir solch geniale Platten in meinen 10 Kletterjahren noch nicht unter die Füsse gekommen oder kaum, vielleicht mal ansatzweise im Val di Mello...

 

Jedenfalls hatten wir anfangs rechte Mühe in den Mehrseillängen der Seeplatten, die sich zum Einsteigen ins Hardcore-Reibungsklettern á la Grimsel bestens eignen, da super abgesichert und doch noch recht abwechslungsreich. In unserer Routenkombination aus "Bruni Chue" und "Toni" wird man sanft ins Reibungsklettern eingeführt, eher kurze griffarme Stellen wechseln mit Schüppchen, dann folgt eine geniale Offwith- Verschneidung, anschliessend die Mega 6a+ Reibungsplatte, wo die Haftungsgrenze der Kletterpatschen aufs Äusserste gefordert wird und zum Abschluss warten herrlich griffige Risse. Abgeseilt kann überall werden, da die Seeplatten mit einem dichten Routennetz übersäht sind und somit Abseilstände überall verteilt sind.

 

Mit dem Vertrauen in unser neu erlerntes Reibungskletterkönnen ziehen wir am späten Nachmittag hinüber zum Azalee Beach. Ein paradiesisches Platzl, an dem der graue Granitpanzer aus der Wiese sanft gen Himmel wächst. Wie eine grobgeteerte Strasse, nur eben nicht horizontal, sondern gekippt, liegt der Gletscherschliff eingebettet in die grüne Landschaft. Fantastisch.

 

Wir entscheiden uns für die namensgebende Route "Azalee Beach", deren erste Seillänge das Sohlenprofil gehörig testet. Mit 5b bewertet und 5m Abständen zwischen den Bohrhaken ein besonderes Erlebnis. Doch wenn man endlich in den Kopf bekommen hat, dass in dieser Steilheit die Reibungssohle überall haftet, tritt auch endlich eine gewisse Leichtigkeit ein und es darf getänzelt werden. Doch bereits die 2. Länge stellt das neu erworbene Vertrauen auf die Probe. Es wird steiler, aber nicht griffiger. Kein einzigster Griff, der etwas Vertrauen zurückgeben würde. Nichts. Niente. Also Augen zu und durch - und - es hebt. Nichts mit der Dreipunktregel beim Klettern. Genau ein Punkt, nämlich ein Fuss auf 3cm Länge bietet das nötige Quäntchen Reibung, um nicht aus der Wand zu kippen. Wahnsinn! Und wie schwer war das nun nochmal, ach ja 5c+. Wie um Himmelswillen schaut dann eine 7a Reibungsplatte aus????

 

Wir hatten jedenfalls unseren Spass, siehe auch die Videos.

Und das Fazit des heutigen Tages? Klettern ist extrem facettenreich und wenn du glaubst einen Schwierigkeitsgrad zu beherrschen wirst du garantiert eines Besseren belehrt werden!

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gesundes-wandern.com

Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

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