Cheselenfluh und Ofen, Klettern im Melchtal

Das Melchtal ist bekannt für Plaisirrouten erster Güte, zum Saisonstart gerade richtig. Den Rucksack voller Expressen marschieren wir, bereits bei voller Hitze, die 45min hinauf zur Cheselenfluh. Schweisstreibend entpuppt sich der senkrechte Anstieg nach der Abzweigung beim Steinmann am gemütlichen Wanderweg.

 

Immer noch optimistisch der Hitze (am Fels weht sicher ein kühler Wind...) steigen wir in die erste Länge der äusserst beliebten "Dr blaue Chäfer" ein. Das Gestein klettert sich wunderbar griffig, steil wie in der Halle. Und trotz der enormen Steilheit bringt die Route nie mehr als 6a+ auf der Schwierigkeitsskala zusammen, einfach fantastisch, ein Henkel jagt den anderen. Wir gewinnen an Höhe, die Tiefe wird immer saugender, was sich auch im Sicherheitsempfinden der Erschliesser/Sanierer wiederspiegelt: die Stände werden immer üppiger mit Bohrhaken und Ketten versehen. 

 

Am Stand vor der letzten kurzen Länge findet man sich auf einem Adlerhorst wieder. Für eine Route in diesem Schwierigkeitsgrad aussergewöhnlich genial und sicher nichts für schwache Nerven. Besonders die Abseilfahrt erfordert überlegtes und konzentriertes Arbeiten. Die Tiefenangst muss man kurzzeitig ausschalten können. An Fixseilbahnen rauscht man ins Leere, nebenan spritzt die Gischt des Wasserfalles, welche die Ausgesetztheit unterstreicht. Ein Wahnsinnserlebnis!

 

Nach dem Adrenalinrausch am Boden wieder angekommen, realisieren wir, welche enorme Hitze mittlerweile waltet. Daher beschliessen wir den Klettertag weiter unten am Bach mit einem kühlen Bad zu beenden, als brütend in eine weitere Route einzusteigen. Doch wir kommen wieder, keine Frage! Die enorme Ausgesetztheit in Kombination mit super Felsqualität und Absicherung macht das Klettern an der Cheselenfluh zu einem perfekten Platzl.

 

 

Der Ofen macht seinem Namen alle Ehre. Er liegt wesentlich höher droben als die gegenüberliegende Cheselenfluh, Hochofen wäre am Dienstag die wahrlich bessere Bezeichnung für diesen Ort gewesen, welcher uns die Sinne und die Kraft raubte. Ein Brutkasten. Doch wer kommt auch schon auf die Idee, bei gemeldeten 34°C an einer Südwand zu klettern??? Dazu ein langer Zustieg von 1000Hm...

 

Landschaftlich extrem reizvoll ist das Gebiet am Ofen ja schon, doch brannte es uns gestern einfach aus der Wand, sodass der Klettergenuss etwas in Stocken kam. Dazu die teilweise hirnlose Absicherung, der ungewohnt plattige Fels der ersten Seillänge, die nagende Dehydrierung, die noch nicht vorhandene Mehrseillängenausdauer am Anfang der Saison...Wir konnten am Ende nicht unbedingt viel Positives über unsere Begehung der "Halma" berichten, welche wir 3 Seillängen vorm Top abbrachen.

 

Dabei hätten einige Seillängen grandiosen Fels, sehr abwechslungsreich, von plattig-reibungsreich, über leistig-tropflöchrig, bis hin zu steilen Henkeln. Doch sind die Seillängen leider mit sehr harten Einzelstellen gespickt, die den Kletterfluss stark einbremsen. Vielleicht hat aber auch nur die Sonne unser Gehirn vernebelt und die Motorik eingeschränkt, ein weiterer Ausflug zum Ofen wird sicher folgen, doch dann bei wesentlich kühleren Temperaturen!

 

 

 

 

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Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

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