Trailrunning in Zürich

Wer die Autobahn noch vor Zürich City von Süden kommend verlässt (Ausfahrt Brunau), steht kurz darauf im Grünen. Die City Trails um Zürich finden sich hauptsächlich im Südwesten der Stadt, der Uetliberg überragt Zürich nicht nur um über 300 Meter, was auch Bergläufers Herz höher schlagen lässt, er wartet nämlich auch mit einer einzigartigen Rundumsicht auf, die zum längeren Verschnaufen eine willkommene Abwechslung bietet.

 

Hier oben am Uto Kulm treffen sonnenbadende Pensionisten auf quatschende Hausfrauenrunden, stille Genießer auf schweißgebadete Läufer und Biker. Ein reges Kommen und Gehen, doch Gerangel um die besten Aussichtsplätze gibts nur an einem herrlichen Sonntag. Dann ist der Hausberg Uto Massenanziehungspunkt der Einheimischen und Touristen, Ausflugsziel für Jung und Alt, Treffpunkt der Generationen.

 

Doch wen wunderts!?! Reicht doch die Sicht bis ins Berner Oberland zu den vergletscherten 4000ern, Gipfelfeeling wie auf einem der Größeren. Der von einer Dunstglocke umwobene Zürichsee unten im Tal zieht wie ein norwegischer Fjord aus der Stadt heraus, die dicht besiedelte Goldküste auf dessen Ostseite lässt allerdings Zweifel aufkommen, dass man sich in der nordischen Wildness befindet. Doch für einen Augenblick, einen Moment voller träumerischer Gedanken, lässt es sich hier oben prima abschalten.

 

Wie schon erwähnt gibt's tatsächlich Höhenmeter zu sammeln, unzählige Serpentinen schmücken den Anstieg vom Albisgüetli in direkter Fallinie hinauf zu Uto Kulm und lassen das Laktat in den Beinen anschnellen. Zum Einlaufen eignet sich der Vitaparcours, der von den kostenpflichtigen Parkplätzen beim Ende der Strasse im Albisgüetli erreicht wird. Oder auch ein breiter Forstweg, der auf den ersten Metern sich den Platz mit dem Vitaparcours teilt, später hinüber bis nach Triemli leitet. 

 

Wer von Triemli startet, was bequem per Öfis erreichbar ist, kann den Megaklassiker erleben, zwar nur was für Trailer, die ordentlich Kilometer in den Beinen vertragen, dafür aber was vom Besten, was das Gebiet hergibt! Und zwar die gesamte Überschreitung der Albiskette bis nach Sihlbrugg. Ein langes Unterfangen, dafür wird der Trailer mit abwechslungsreichen Singletrails, breiten Forststraßen zum Durchatmen und viel Weitsicht belohnt. Highlights an diesem bereits 17km Luftlinie langen Trail sind die Besteigungen der Aussichtsplattformen in Turmformat, welche über für intensives Intervalltraining bestens geeignete steile Wendeltreppen erobert werden. Sowie die Tatsache, dass der Weg meistens direkt oben am Kamm entlang führt mit grandioser Aussicht und teilweise echt anspruchsvolle Singletrails aufweist, da wird sogar das ein oder andere Mal der echte Downhiller gefragt. Serpentinenartige Kurven sind gespickt mit ruppigen Wurzeln und matschigen Passagen, teilweise verjüngt sich der Pfad auf einen schmalen Trail, der kein Ausrutschen duldet, da links und rechts der Abgrund wartet. Gerade jetzt, wo noch Schnee den Weg bedeckt, ein interessantes Unterfangen...

 

Doch nochmals zurück zum Uetliberggebiet, dem Hausgebiet der Waldläufer Zürichs, in dem es sich sogar im Winter famos laufen lässt. Durch die hohe Frequenz an Leuten sind auch bei Schneelage die Wege immer ausgetreten, selbst die schmalsten Trails werden begangen, meist zwar von Hundebesitzern, doch wen störts, hauptsache sie sind gespurt. Zwar bekommt das Gebiet nur Morgensonne und demnach lange hält sich der Schnee, respektive Eis, die Hauptwege hinauf auf Uto Kulm sind aber mit Abermillionen Steinchen gespickt, sodass selbst ohne Spikes, mit einem Gang zurückgeschaltet, die Wege problemlos bewältigt werden können. Vorausgesetzt man bringt etwas Gleichgewicht mit oder mag es, das Spiel mit dem Risiko, wann reißts mir den Boden unter den Füßen weg?

 

Eine Rodelbahn, bei genügend Schneelage im Winter, spricht auch Nichtläufer an. Mit der Bahn wird der höchste Punkt bequem erreicht, hinunter gehts rasant und spaßig mit der Rodel. Ebenfalls interessant, zwei Biketrails durchziehen den Uetliberg, für Abwechslung ist also reichlich gesorgt. Und wen der Hunger überkommt, im Restaurant gibts gegen reichlich Bares allerhand Leckereien oder auch ein kühles Bier auf der Terrasse mit Aussicht.

 

Wer mit dem Auto unterwegs, dem sei noch ein weiteres Gebiet ans Herz gelegt. Das Naherholungsgebiet Türlersee erschließt weitere lässige Möglichkeiten, die jedes Läuferherz höher schlagen lassen. Ob gemütliche Abendrunde um den See, Intervalltraining beim Anstieg zum Albispass hinauf, cruisen über Feldwege oder vorhin genannter Run oben auf der Albiskette, mit etwas Gespür für schöne Wege lassen sich Runden der Extraklasse kreieren. Sei neugierig, lass dich von deinem Gefühl leiten und im Notfall, die gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrmitteln ermöglicht einem verirrten Trailer schon auch mal den Rückweg ohne Fußantrieb:-) 

 

Keep Running, der Frühling steht in den Startlöchern!

 

 

 

 

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gesundes-wandern.com

Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

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