Wandern mit Stützpunkt Dortmunder Hütte im Kühtai

1.Tag

Dortmunder Hütte - Speichersee - Mittertal - Mittertaler Scharte - Wetterkreuz - Wörgetal - Knappenweg - Speichersee - Dortmunderhütte

Mein Cousin kündigte sich auf Wanderbesuch an. Schon im Vorfeld überlegte ich mir, welchen Standort wir wählen sollten, von dem aus viele Varianten nach Lust, Laune, Wetter und vorallem Kondition möglich sind. Dazu der hohe Anspruch, möglichst schöne Landschaftsabschnitte Tirols zu vereinen.

 

Meine Wahl fiel schließlich auf die Dortmunder Hütte im Kühtai zum Stützpunktwandern. Natürlich musste gleich am 1. Wandertag eine rassige Runde her, meine Lieblingslaufstrecke. Denn da wird einfach alles geboten, einsame Täler, blaue Bergseen, Panorama ohne Ende, Gipfelerlebnis, Kletteraction, Bachdurchquerung, und und und.

 

In der Nacht kleideten sich die umliegenden Berggipfel sogar in ein angezuckertes Gewand, was für einen besonderen Charme der reizenden Felsformationen im Mittertal sorgte. Frische Temperaturen ließen den Aufstieg angenehm werden, da rollte schon deutlich weniger Schweiß als bei diversen Läufen in der Vergangenheit. Einfach Genuss, und wir ließen uns auch die Zeit dazu!

2. Tag

Gries - Amberger Hütte - Gries

Nachdem aus dem Vortag eine 8-stündige Runde geworden war, beschlossen wir heute, den malträtierten Füßen einen "Pausetag" zu gönnen. Wir fuhren hinab ins Ötztal und weiter nach Längenfeld, wo es hinauf zum einsam gelegenen Bergdorf Gries geht, dem Ausgangspunkt für nette Touren im Bereich der Amberger und Winnebachseehütte. Ein mir vom Winter gut bekanntes Gebiet, im Sommerkleid habe ich die Landschaft allerdings erst einmal zu Gesicht bekommen, damals bei der Wilden Leck mit ihrem herrlich griffifigen Ostgrat.

 

Hier herrscht schon merklich mehr Andrang, was auch der große, kostenlose(!!!) Besucherparkplatz verdeutlicht. Auf einer Forststraße geht es 6km hinein zur Amberger Hütte, mit nur mäßiger Steigung auch für die Fußmaroden unter dem Wandervolk bestens geeignet. Auf halber Strecke erreicht man nach einer Steilstufe die Sulztalalm, welche zu erster Rast animiert. Aber auch ohne Alm findet der Genusswanderer viele geeignete Platzl zum Verweilen, Genießen und Landschaft auf sich einwirken lassen.

 

Nach einer weiteren Steilstufe, immer mit Blick auf die schroffe dunkle Seite des mächtigen Schrankogels, wird eine nächste Alm erreicht. Hier stürzt sich tosendes Wasser durch eine enge Schlucht, bevor es ganz entspannt rechts des Almbodens entlang plätschert ohne Aufsehen zu erregen. Ein Wegweiser deutet darauf hin, das Tourenziel ist nicht mehr weit. 10 Minuten und der fusballfeldgroße Platz im Talgrund "in der Sulze" ist erreicht, wo am Hang die Ambergerhütte ihren Schutz gefunden hat.

 

Von den Gletschern ist nicht mehr viel zu erkennen, in weiter Ferne pflegen sie ein karges Dasein, blank der erbarmungslosen Sonne ausgeliefert. Im Talgrund suhlen sich die Kühe am leise plätscherten Gewässer, welches von den Schmelzwassern der Gletschern gebildet wird. Kuhglocken bimmeln, wir schließen die Augen im Schatten eines großen Felsblockes und lassen die atemberaubende Berglandschaft auf uns Wirken.

3. Tag

Patscherkofelbahn Igls - Zirbenweg - Tulfeinalm - Glungezerbergbahn - Tulfes - Postbus nach Igls

Der Zirbenweg ist einer der ganz wenigen leicht zugänglichen und bestens angelegten Höhenwege im Nahfeld von Innsbruck. Immer auf einer stattlichen Höhe von 2000m schlängert er sich durch Blockwerk, Legföhren, Heidelbeerstauden und natürlich Zirben. Mit dem wohlriechenden Duft der Zirben in der Nase genießt man hier die Fernsicht auf das komplette Inntal Richtung Osten bis zum Wilden Kaiser; gegenüber die Nordkette, dem 2. Kleinod oberhalb Innsbrucks. Im Westen überblickt man das Ausmaß der Stubaier Alpen mit der trohnenden Serles am Eingang des Tales, dahinter der Kolloss Habicht und das strahlende Weiß des Stubaier Gletschers mit dem Zuckerhütl, welches wie eine Haube den Kopf des Gletschers schützt.

 

Der Blick schweift weiter, der Pflerscher Tribulaun ist leicht auszumachen, weiter nördlich die Sellrainer Berge, wo sich bereits die ersten Gewitterwolken auftürmen. Doch noch ist Zeit, Zeit zum Atmen und Genießen. Von der Zugspitze blitzt die Aussichtsplattform im Sonnenschein herüber, davor die schottrig kargen Mieminger Berge und das Wetterstein. Die überragende Aussicht hat uns fest erfasst, wir gewinnen kaum Meter zu Anfang. Immer wieder schweift der Blick 360Grad, was uns zum Stehenbleiben auffordert.

 

Für 21,50€ inklusive Busfahrt zurück von Tulfes zur Patscherkofelbahnstation ein toller Ausblick, das Geld ist also bestens investiert. Nach gut 3 Stunden erreichen wir viel zu früh die Tulfeinalm, der breite und leicht zu gehende Zirbenweg nimmt hier sein Ende. Wir bestaunen die letzten vom Blitzschlag in Mitleidenschaft gezogene Zirben, welche bizarr in den blauen Himmel ragen, eine letzte Rast, das Panorama ist einfach überwältigend.

 

Schließlich beginnen wir um 13Uhr den Heimweg, ein 1-Mann-Seesellift, fast schon nostalgisch, bringt uns in 20(!) Minuten zur Mittelstation. Vielleicht wurde der Lift auch deshalb noch nicht saniert, in der knappen halben Stunde kann jeder Wanderer für sich alleine nochmals den Tag Revue passieren lassen, die gewonnen Eindrücke verarbeiten und daraus Kraft schöpfen für härtere Zeiten.

 

Lediglich die Fahrplanabstimmung ziwschen Lift- und Busgesellschaft bedarf tunlichst Verbesserung. Da die Lifte erst um 13 Uhr nach der Mittagspause sich wieder in Gang setzen, der Bus zurück zur Talstation der Patscherkofelbahn allerdings bereits um 13:35Uhr ablegt, verpasst man letzteren um genau 10 Minuten, was 2h Wartezeit zur Folge hat. Nicht gerade optimal, um den Tag genüsslich ausklingen zu lassen. Ein gewisser Stressfaktor ließ sich da bei mir schon wieder erkennen...

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Kommentare: 1
  • #1

    Cousin T. (Samstag, 01 September 2012 13:56)

    Drei super Tage! Hervorragend ausgesuchte Wandererlebnisse mit ganz viel Ausblick, die hier trefflich beschrieben und illustriert sind.
    Zur Nachahmung wärmstens empfohlen!

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gesundes-wandern.com

Patricia Schanne, MSc

Tiroler Bergwanderführerin

/Wanderleiterin SBV

und Sportwissenschafterin

info@gesundes-wandern.com